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Sndra, der Blisgott.
de HAIN.
Heitschrift für Heidentum, (Naturreligion und thelemitische Philosophie
Nr.32 6IONM
Die letzte Nummer, für die Bäume sterben mußten
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2 Inhalt
Nekrolog zur letzten Nummer 5.3
Astrologie ım Jahreskreis: Widder - Stier - Zwillinge von Webewölfin S.5
Musik für Heiden - eine Rubrik von Mona S. 24
Wo werdet Ihr Hınweise auf die virtuelle Wiederauferstehung dieser Zeitschrift finden ? S. 4
Heiden surfen durchs Internet von Alraune S.?21
Frühling - eine Geistreise von Uta S.34 Der Stammtisch für Heiden und Hexen in Berlin: Schon wieder ein neuer Treffpunkt ! 3.23 Mehr über männliche Spiritualität von Parzival S.9
De Confessio Theiema von Frater l.C. S. 37
Heidentum - die andere Religion von Fritz Steinbock S. 27
NEKROLOG
Eigentlich ist das die falsche Jahreszeit für eine solche Nachricht: Ey ut der letzte Hain aus Papier, den ihr hier in Händen haltet.
Eingegangen ist er am Desinteresse aller Beteiligten, an ihrem - totalen Mangel ayı Kommuruikatiors- und
- Kongentrationsfähigkeit, am ihrer Sprachlosigkeit gerade in
keinen Dingen.
- Das vielleicht Ätgendste in letzter Zeit war der völlig vermurkste Internet-Auftritt des Hain: Großen Versprechungen seitens einer
Verantwortlichen der Pagan Federation folgte eine monatelange
Sendepame. Und meine persönliche Büte, nach vier Monaten Prüseng num vielleicht außer meiner Anschrift als Bestelladresse
auch mal ein paar Texte von mir auf der Seite zu finden, wurden
mit hartnäckigen Ausreden quittiert.
Ex gab für mich positive Augenblicke in der Zmammenarbeit mit Alraune und Robin. Aber letztlich sind wir gescheitert - und ich
sehe keinen Grund dafür, daß ich mir die Schuld daran gebe. Ich bin immer noch auf der Suche nach Leuten, für die
Kontwuutät, Kongentration und Eindringungstiefe immer noch mindestens ebenso wichtig sind, wie Entertainment.
| Ein weiterer Grund für Veränderungen: Bisher habe ich an der
Idee fest en, im Hain eine Art Forum für unterschiedlichste Strömungen des Hexenkulty und Heidentums zw ermöglichen. Gerade diese Nummer zeigt das wohl auf exemplarische Weise.
In Zukunft habe ich aber einfach keine Lust mehr darauf, Dienste für andere zw leisten, die selber nicht in der Lage sind, etwas Vergleichbares auf die Beine zw stellen.
Außerdem bin ich mittlerweile der Meinung, daß die herkömmlichen Formen des Neuheidentums wie Wicca, Asatrw
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ursprünglichen Motiven heraus auf einer völlig neuen Ebene restrukturieren müssen.
Ich sehe eigentlich meine Aufgabe darin, auf diesem Weg einige Schritte zw gehen.
ich in all den 10 Jahren nie aufgeben hatte: Zw einer lebendigen, vielseitigen Kommunikation über Inhalte von Artikeln mit den Lesern zw kommen. Das ist im Internet wesentlich einfacher - mit weitaus geringerem Aufwand...
Ein Wort noch an alle Leser, die in letzter Zeit für ein Abo bezahlt haben: Damit sich niemand betrogen fühlen muß, erhält jeder dieser Leserinnen und Leser Anfang Dezember eine Art Jahrbuch, bei dem ex um die herkömmlichen Hain-Themer gehen wird.
Einen fröhlichen Frühling und viel Spaß beim Lesen wünscht Euch Paryival
Impressum
Matthias Wenger - Ostender Str. 2 - 13353 Berlin / Wedding Tel.: 030-45 493425 - D2-Netz 0173 - 930 059 5 | e-mail: montsalvage@t-online.de
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In folgenden Newsgroups werdet Ihr u.a. Mitte Juni Hinweise auf die Adresse des neuen HAIN finden:
http://www. .pagan.at/ http://www.hexen-online.org/forum/Ultimate.cgi http ://www InsideTheWeb.com/messageboard/mbs.cgi?acct=mb404084&TL- http://f7 .parsimony.net/forum8944/wwwforum.cgi http://www.waldbaer.de/mag-net/kontakte.htm http://www fl 1.parsimony.net/forum17374/wwwforum.cgi http://fl1 8.parsimony .net/forum32639 http://f12.parsimony.net/forum18077/wwwforum.cgi http://fLO.parsimony..net/forum14455/ |
ASTROLOGIE IM JAHRESKREIS
Von Webewölfin
Seit fünf Jahren beschäftige ich mich mit Astrologie. Ich halte sie nicht für das AusschlieBliche,
- aber für einen guten Schlüssel zum eigenen Selbst. Astrologie ist für mich lustvolle
(Selbst)erkundung, Spiel, Weisheitssuche. Ich halte nichts davon, sich ständig bei seinem
- Computer zu erkunden, ob die Transite auch wirklich günstig stehen für das Einkaufen, Ins-Kino-
Gehen oder Freunde-Treffen. Da hat mir immer noch die eigene Intuition weitergeholfen. Auf die sollte man sich immer eher verlassen. Wer keine hat, mache sich zum Sklaven seines Astroprogramms.
Astrologie ist Sternenlesen. Gelesen werden so ziemlich alle Sterne, die am Himmel stehen: Der Tierkreis, Sonne, Mond, die Planeten des Sonnensystems, von einigen auch Plejaden und Sınus. Aber etwas hat mir immer gefehlt, und glaubt mır, es hat lange gedauert, bis ich drauf kam, was: Es fehlt die Erde. Na klar, sagen die Astrologen, wir sind ja auch auf der Erde, da kann sie nicht für uns am Himmel stehen. Deshalb, weil wir von der Erde aus in den Himmel schauen, ist Norden im Horoskop unten und Osten lınks.
Gut und schön. Am Himmel steht sie also nicht für uns, unsere Mutter, unsere schöne Blaugrüne. Aber trotzdem fehit sie mir im Horoskop.
Als Heide ist es mir fremd, mein Schicksal so ausschließlich außerhalb von Ihr zu suchen. Sıe brachte mich hervor, und zu Ihr werde ich zurückkehren, und immer bin ich ein Teil von Ihr. Wie kann ich Sie ausklammern auf der Suche nach meinem Schicksal!”
Nach vielen mehr oder weniger guten Astrologiebüchern stieß ich auf Solange de Mailly-Nesle: Astrologie. Geschichte, Tierkreiszeichen, Horoskop ... und Wissenschaft.
Hier fand ich, wonach ich suchte und was mir meine Beobachtungen gezeigt haben: Die Verbindung der Astrologie mit dem Jahreskreis, mit dem, was auf Ihr geschieht.
Leider ist das Buch vergriffen, bzw. im modernen Antiquariat. Die Abschnitte zum Jahreskreis halte ich aber für so bedeutend, daß ich sie einem heidnischen Leserkreis zugänglich machen möchte. Die Angaben beziehen sich auf die gemäßigten Zonen der nördlichen Halbkugel.
Diese Angaben können durch eigene Assoziationen und Beobachtungen erweitert werden.
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März: Frühlingsanfang
ei Tr Es gsıbt die Frühjahrstagundnacht- T Der Widder ıst gespalten zwischen gleiche. den bewußten Werten des Tages und
den unbewußten Werten der Nacht: Er weiß nicht, wo er hingehört.
T Die Werte des Lebens setzen dıe un- bewußten Kräfte ın Gang: Das ıst ein impulsiver Vorgang, über den man nicht zu reflektieren braucht.
T Doch sehr bald sıegt der Tag über die Nacht, es wird zunehmend heller.
T Es ıst das Ende des Winters, die T Er handelt leidenschaftlich. Wärme sıegt über dıe Kälte, die Tempe- raturen steigen.
T Die Sonne scheint, und die Knospen T Eristein Wesen mit Lebensdurst. Er öffnen sich. ist jeder List unfähig und stürzt sıch oft unüberlegt ın etwas hinein.
T Die Natur wird satter: Die Säfte rT Erist überaus großzügig und sprüht steigen in die Triebe. vor Elan.
T Erkann sich auch von zu vielen Unternehmungen locken lassen und sich verzeiteln.
T Zum Frühlingsanfang brechen die jungen Triebe durch die Erde und zeigen sıch überall.
T Die Tiere paaren sich. | ° Tr Erbesitzt Lebensinstinkt und dıe Fähigkeit zur Erneuerung.
Der kardinale Frühling
T Der Widder fühlt sich immer betrof- fen von etwas Beginnendem, er hat Er- oberungssinn und besitzt einen großen
Tatendrang.
T Der Winter endet, eine neue Jahres- zeit beginnt, der Frühling erwacht.
Tr Der Widder ıst ein kardınales Tier- kreiszeichen.
April: Frühlingsmitte
% Der Stier ıst warmherzig, hhebens-
Die Sonne s eigt am Hımmel immer ö ic onne steil “ass & l v wert, wohlwollend.
höher und erwärmt die Erde.
& Die Wirklichkeit trägt den Sıeg über das Unbewußte davon: Der Stier ist einfach, gesund, zuversichtlich.
$ Die Tage werden länger, dıe Nacht zieht sich zugunsten des Tages zurück.
% Der Stier ıst im Leben fest verwur- zeit: instinktiv, in Kontakt mit der Na- tur, von seinen Empfindungen geleitet.
% Die Pflanzen dringen tief ın die Erde ein. Sie schlagen Wurzeln, um Nähr- stoffe aufzunehmen.
8 Der Stier setzt Dinge in die Tat um:
s Gras, Blätter, Pflanzen, dıe ganze j | Er verleiht Ideen Gestalt, führt sıe aus.
Natur erblüht.
» Der Stier hat eine sinnliche Natur
& Die Gerüche vermengen sich, ein be- | mit starken Begierden.
törender Duft verbreitet sıch.
Der beständige Frühling
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&% Auf halbem Weg zwischen Winter- % Der Stier ist entschlossen, harınäk-
ende und Sommeranfang ist der Früh- kig, geduldig. Er braucht lange, um sich
ling eingezogen und entfaltet sich. festzulegen; in Freundschaft und Liebe ist er treu.
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Der Stier ıst ein fixes Tierkreiszeichen. ET EEE ERENTO ERTL ENEERIERFENTEREENE SC AEHEE ZEIT HORB ET SUETE TA EUREN
Mai: Frühlingsende
u Die Säfte steigen in die äußeren Wipfel: Zweige und Blätter wachsen.
I Getrieben vom ınstinktiven Appell des Lebens kann der Zwilling mehrere Dinge gleichzeitig tun.
ı Die zahlreichen Eindrücke der Au- Benwelt vereinen sıch in ıhm zu einer
ı Die Blätter nehmen die Luft mit allen Poren auf und verwandeln sıe
rasch ın Blatterün. Synthese.
12 Im Frühling flattern die Schmetter- 1 Erliebt Gesellschaft und ıst kon- lınge von Blüte zu Blüte. taktireudig.
Man ıst in Eintracht mit der Natur 12 Der Zwilling findet sıch unter allen wälzt sich gern ım Gras und ist zu Umständen zurecht, er ıst ein überaus allem bereit. anpassungsfähiges Wesen.
Der veränderliche Frühling
1 Bald kommt der Sommer. der Frühling geht seinem Ende entgegen, es ıst eine Zeit des Übergangs.
ı Der Zwilling ist ein veränderliches Zeichen.
X Der Zwilling steckt voller Pläne. Er ıst eın schnelles Wesen, beweglich, ständig in Veränderung.
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MEHR ÜBER MÄNNLICHE PIRITUALITÄT
Eın BEITRAG ZUR INNEREN VERARBEITUNG VON MYTHOLOoGl UND
PERSÖNLICHER GESCHICHTE von PaArZzIVAL
Nachdem Robin in der vorigen Nummer die männliche Heidenwelt darauf aufmerksam gemacht hat, daß sich außer Gott-Mama auch noch eine ganze Menge männlicher Gestalten ın der Mythenweit tummeln, ergreife ich die Gelegenheit, meine eigenen Bezüge zu Göttern darzustellen.
Ich beschreibe drei Gottheiten, die mir wertvoll und wichtig, deren Attribute und Wesenszüge zum Anknüpfungspunkt persönlicher Entwicklung wurden.
Es sind der indische Gott Ganesha, der germanische Urriese Ymir und der deutsche Mephisto.
Zuvor aber ein Wort zum Sinnzusammenhang. Für Frauen ist die Auseinandersetzung mit den Göttinnen wichtig, um in einer die Frauen abwertenden Gesellschaft zu einer eigenen, abgerundeten Identität zu gelangen.
Was aber mag Männer dazu bewegen, Göttinnen zu verehren ? Ich meine, die Vermutung, daß hier die einstige Abhängigkeit von Mutters Rockzipfel auf einer sadomasochistischen Ebene ausagiert wird, läßt sich nicht ganz von der Hand weisen."
Daran ändern auch solche Rationalisierungen nichts, wie die Aussage, die Erdgöttin sei nun mal eben weiblich und folglich müsse man als Naturfreund die große Mutter verehren.
Als Mann aus der Abhängigkeit von der Mutter herauszutreten, bedeutet, die Frage zu stellen: Wer bin ich selbst ?
Zu diesem Zweck. zur Anwort auf diese Frage stellen uns die heidnischen Mythen nun jede Menge an Gestalten zur Verfügung.
Hier gilt es, zwei Irrtümer zu vermeiden. 1. Wenn ich mich mit mythischen Gestalten befasse, falien mir solche ins Auge, die meine Sympathien, mein Interesse wecken. Aber letztlich mache ich diese Gestalten zur Projektionsfläche - ich greife einzeine ihrer Züge heraus, an denen ich eigene Mythen weiterstricke, aus denen ich heraus diese Gottheiten neu erschaffe. So viel
‘ Die Cance zu einer ernsthaften Auseiandersetzung mit diesem Thema bietet Sigmund Freud in: Die Zukunft einer INtusion von 1927 (Studienausgabe Band IX, Frankfurt a.M. 1982
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10 Einsicht muß da sein, um gleich dıe Idee im Keim zu ersticken, daß wir hier real an einem „uralten“ Kraftfeld partizipieren. Es ıst ein Selbstgespräch der menschlichen Seele, höchstens könnte daraus eın Gespräch mit anderen werden, die den gleichen Weg gehen. Zum andern geraten wir gern ın die Gefahr, in christlicher Manier zu Verehrern außerhalb von uns lebender spiritueller Individualitäten zu degenerieren. Ich bin der Meinung, daß eine neu-heidnische Gottesvorstellung nur durch die mystische Sichtweise qualifizierbar ist, daß wir selbst zu der Gottheit werden, die in unserer Vorstellung Bedeutung erlangt. Es ıst aber stillos und verspricht keinen produktiven Beitrag der Heiden zu einer neuen Epoche der menschlichen Kultur, wenn wir uns Götier „injizieren“, wie man eine neue Sorte Tortillas ausprobiert. Eine Gottheit erwächst mir nicht aus den Seiten eines Lexikons, sondern nur aus den Tiefen eines biographischen Wachstumsprozesses, so wie eine Blüte oder ein Ast oder Zweig aus einer Pflanze erwächst. Diese Vorbemerkungen waren mir wichtig, auf ihrem Hintergrund sei das Folgende zu verstehen.
GANESHA - DER GOTT MIT DEM ELBEFANTENKOPF
Wenn heute eine/r von 800 Millionen Hındus auf unserem Planeten ein neues Geschäft beginnt, ein Buch liest oder zu einem Vorstellungsgespräch geht, evoziert er zunächst einmal den Namen eines Gottes, dessen Elefantenkopf für Europäer mehr als irritierend ist.
Dieser Gott, Sohn Shivas und Parvatis heißt auch Ganapati oder Vigneshwara. Und letzteres bezieht sıch auf die Alltagserfahrung, die jeder von uns in der Massengesellschaft täglich macht: Es gibt unvorhergesehene Hindernisse, die sich unseren Zielen in den Weg stellen - das Leben wird zum Hindemislauf.
Ganesha steht in der Form von Vigneshwara als ein Gott zur Verfügung, der jederlei Art von Hindernis beseitigen kann - wenn man ihn vorher anspricht. Das hat zur Folge, daß er immer in Anspruch genommen wird, bevor man irgend etwas Neues beginnt. Auch dann z.B., wenn irgend welche anderen Götter angerufen werden, steht er an erster Stelle.
Die Kehrseite der Medaille ist, daß uns Ganesha auch Hindernisse in den Weg stellen kann, wenn wır ihn ım entscheidenden Zeitpunkt ignorieren oder übergehen.
Wer jemals gesehen hat, wie indische Elefanten als Arbeitstiere Baumstämme mit ihren Rüsseln beiseiterollen, wird sofort nachvollziehen können, welchen Stellenwert dieser Gott in der Bewältigung von auftauchenden Problemen hat.
Die Tatsache, daß es sich um einen ziemlich alten Gott handeln muß, ergibt sich aus der großen Bedeutung des Elefanten für die Ökonomie der Region.
Er muß darin schon immer mindestens so bedeutsam gewesen sein, wie der Stier im alten mediterranen Europa.
Die Geburtslegende des Gautama Buddha zeigt die weite Verbreitung der mythischen Bedeutung des Elefanten im alten Asien: „Klar und bei vollem Bewußtsein ging er, als ein junger weißer Elefant mit sechs Stoßzähnen, zur rechten Seite in den Leib seiner Mutter ein, als diese gerade Fasttage hielt. Sein Kopf war purpurfarben, die Reihe der Zähne blitzte wie Gold, und er war mit allen Körperteilen wie Gliedern wohlversehen...“. Die Königin Maya war eingeschlafen und träumte: „Ein Prachtelefant, strahiend wie Schnee und Silber, ist tänzelnden Schrittes und mut
gleichzeitiger Beseligung des Gemüts....
11 diamantfesten Gelenken in meinen Leib eingegangen...Nie vorher habe ich etwas so Schönes gesehen und gehört, nie ähnliche Wonne empfunden. Es war ein Gefühl körperlichen Glücks und cc2 Dieser Vorgang der Empfängnis Buddhas zeigt schon, daß der elefantenköpfige Gott auch eine spirituelle Dimension hat, die über die Funktion eines bloßen „‚Nothelfers‘“ weit hinaus geht. Im Tantra heißt es, daß Ganesha im Muladhara-Chakra, dem Wurzel-Chakra des menschlichen
Körpers wohnt:
(Abbildung aus : Satguru Sıvaya Subramunıyaswami : Loving Ganesha, Delhi 1998, S. 123)
- In der Tat deutet diese Symbolik an, daß es sich bei Ganesha um einen Gott der ersten Ursache
- handelt, die mit der heiligen Silbe AUM ebenso wie mit der Svastika in Verbindung gebracht - wird.
- Diese erste Ursache ist ım Sinne einer ersten Bewegung zu verstehen, ınsofern, als das ın
- Bewegung setzen der Lebensenergie Grundvorraussetzung aller Lebensprozesse ist. Erhärtet
wird dieser Stellenwert des Gottes in dem ältesten Sanskrit-Text, in dem sein Name Erwähnung findet, der Aitareya-Brahmana 1.21, in der er mit Brahma, dem Ur- und Schöpfungsgott
gleichgesetzt wird.‘
Mit der Vorschrift, man müsse zunächst immer erst Ganesha anrufen, bevor man ırgend etwas beginnt, ıst also eigentlich gemeint, daß man erst dann handeln sollte, wenn zuvor die Urbewegung des tiefsten Ursprungs stattgefunden hat.
- Darin steckt jetzt für mich die lebendige Erfahrung, die Basıs meiner Identität ıst. Ich praktıiziere
seit Jahren Mantram-Meditation. Und wenn ich in mehrstündiger Meditation meinen Geist gereinigt habe und das lebendige Emporströmen der Kraft aus der Tiefe des Wurzelchakras verspüre, sehe ıch anschließend alies, was ich dann tue, ın einem völlig anderen Licht.
Hier geht es um eine Kultur, dıe Religion nıcht als Accessoire betrachtet, sondern als die Grundlage, aus der erst die Gesamtheit der menschlichen Existenz und Tätigkeit hervorgeht. Sicher ist es im Alltag nicht immer möglich, einer schwierigen Tätigkeit stundenlange Meditation vorrausgehen zu lassen. Oft genügt aber auch schon eine wenige Minuten andauernde
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? Zit. bei Gustav Mensching: Leben und Legende der Religionsstifter, München 1962, S. 181f. Satguru Sivaya Subramuniyaswami: Loving Ganesha, Delhi 1998, S. 117 “T A.Gopinatha Rao: Elements of Hindu !conography, Vol.1, Part One, S.45, Delhi 1997
12 Gedankenstille, die eine völlig neue Fähigkeit zur Wahrnehmung der Welt und zur Aufmerksamkeit gebiert. Ferner ist an dieser Spiritualität bemerkenswert, daß das Ursprüngliche, das erste ın der Welt aus ihrer tiefsten Tiefe hervorgeht, nicht von der höchsten Ebene ! Nochmals zurück zur mythischen Symbolifikation. Der Name Ganesha ıst eigentlich zurückzuführen auf Gana-Isha, das heißt Herr der Ganas. Die Ganas sind die Heerscharen Shivas, seine Kräfte. Ganeshas Körper setzt eine Reihe interessanter Bezüge: So steht sein (abgebrochener) Stoßzahn in Beziehung zum abnehmenden und zunehmenden Mond’, der Rüssel hat phallischen Charakter, was sich insbesondere in seiner Form als Ucchishta Ganapati zeigt® (s. Abb. S.13 ). Sein überdimensionaler Bauch soll die Fülle des Universums verkörpern !” Der interessanteste Punkt ist aber, daß Ganesha einmal abgesehen von den früheren Inkamationen Vishnus der einzige Gott des Hindu-Pantheons ist, in dem sich menschliche und tierische Attribute verbinden. Das stellt eine gewisse Analogie zu Pan und den ägyptischen Göttern dar und gemahnt an eine religionsgeschichtliche Epoche, in der die Götter noch selbst tiergestaltig waren (während sie dann viel später nur noch bestimmte Tiere in ihrer Gefolgschaft mit sich führen). So richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf die Ursprünge, dıe dıe Hindu- Mythen für ein menschengestaltiges Wesen mit Tierhaupt angeben. Diese Mythen sind völlig uneinheitlich und zeigen mit großer Deutlichkeit die Unbekümmerheit kreativen mythischen Erzählens. So berichtet ein Mythos, Parvati und Shiva hätten im Dschungel Elefanten beim Koitus beobachtet und sich daraufhin selbst in Elefanten verwandelt. So seı Ganesha gezeugt worden. Eine andere Geschichte erzählt, daß Parvati ihren eigenen Diener haben wollte. Sie badete und erschuf aus dem abgewaschenen Schmutz ihres Körpers ein Wesen, das sie bewachte. Als Shiva heimkam, stellte sich der von Parvati geschaffene Ganesha Shiva entgegen, so daß dieser ihm den Kopf abschlug. Um seine Gattin wieder zu versöhnen, sandte Shiva seine Diener aus, mit der Anweisung, das erste Wesen, dem sie begegneten, den Kopf abzuschlagen, um diesen als Ersatz für Ganeshas Kopf herbeizuholen. Es war ein Elefant und so erhielt Ganesha einen Eiefantenkopf. Diese Geschichte macht nicht nur deutlich, daß Ganesha offenbar Bezüge zu matriarchalischen Zeiten aufzuweisen hat, insofern, als die Göttin ihn ohne männliche Zeugung hervorbringt. Das Resümee des Mythos, die Konfrontation mit Shiva verweist dann aber zugleich auf den Kompromiß im Rahmen einer Gesellschaft, in der das Männliche und das Weibliche auf einen Ausgleich zusteuern. In einer weiteren Version heißt es nur, Parvati habe in großem Stolz dem Satum ihren neugebornen Sohn gezeigt. Doch dessen Anblick habe sein Haupt zu Asche verbrannt. Daraufhin habe ihr Brahma (!) geraten, seinen Kopf durch den des ersten Wesens zu ersetzen, das sie finden würde; und das war eben eın Elefant. Wieder ein anderer Mythos beschreibt einen Kampf, in dessen Gefolge Ganeshas menschliches Haupt durch den Kopf von Indras Elefant ersetzt wurde. Indra aber war der indoeuropäische Himmesgott der alten vedischen Zeit, so bedeutsam in Indien wie Zeus bei den Griechen oder Tyr/Ziu oder Odin bei den Germanen.
: T.A.Gopinatho Rao: Elements of Hindu Iconography, S. 51 ebd., S.54 Vettam Mani: Puranic Encyciopaedia, Delhi 1998, S. 272
Ucchishta Ganapatı
I
14 interessant ist vor allem, daß der menschliche Kopf einem tierischen Ersatz weichen mußte: Im menschlichen Gehirn und seiner evolutionären Entwicklung liegt eine der maßgeblichen Gründe für die Entfremdung des Menschen von der Natur.
Indem ich in der Meditation das abstrakte und assoziative Denken aufhebe, begebe ıch mich gerade in einen Zustand, in welchem ich die „Errungenschaften“ des spezifisch Menschlichen annuliere. Schon das ist ein guter Grund, einen tierköpfigen Gott in den Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit zu stellen.
Meine persönlichen europäischen Projektionen veranlassen mich, in Ganesha eine Gestalt zu sehen, die Beharrungsvermögen, unerschütterliche Stärke und die Fähigkeit, in sich selbst zu ruhen repräsentiert.
Ich finde es wesentlich, sich diese Eigenschaften in einer Epoche anzueignen, ın der es alle supertoll finden, ihre Lebensprozesse ständig ziel- und stufenlos zu beschleunigen.
Ganesha ist mir auch deshalb sympathisch, weil er seine Kraft nicht zeigt, indem er zerstört, sondern eigentlich nur dadurch, daß er Lasten trägt, abträgt, wenn man ihn unterstützt und dies verweigert, wenn man ihn ignoriert.
YMIR - DAS ALL IN SICH UMFASSEN
Bei meinen Meditationen habe ich eine weitere seltsame Erfahrung gemacht, neben zableichen anderen Wahrnehmungen. Wenn man, nach den ersten ekstatischen Kaskaden der aufschießenden Lebensenergie nicht aufspringt, um diese Energie in Handlung umzusetzen, geschieht Folgendes: Ich habe das Gefühl, daß sich meine Seele, mein Bewußtsein im Raum ausbreitet, ja den Raum gleichsam erfüllt. Es ist so, als wenn ich nicht mehr auf meinem Meditationsstuhl bin, an einem Punkt im Raum, sondern als wenn ich zu einem Schwingungsfeld geworden bin, oder zu einem „raumfüllenden Etwas“.
Allerdings ist dies nicht mehr ein Zustand innerer Abgeschiedenheit und Konzentration, wie er für den Vorgang der Mantrammeditation selbst charakteristisch ist. Es ist also kein In-sich-Sein, sondern eine völlige Offenheit gegenüber dem mich umgebenden Raum, ein „Hinausstrahlen”. Um für dieses Erleben, das für mich ein Höchstmaß an Stille und Eigenständigkeit darstellt, eın halbwegs angemessenes Symbol zu finden, sind mir alte Gestalten aus den Mythen aufgefallen, die das Weltganze verkörpern. So ein Wesen ist z.B. der nordische Ymir, von dem die jüngere Edda berichtet, die Urgötter hätten aus seinem zerstückelten Körper die Welt geschaffen, aus seinem Blut das Meer, aus seinem Fleisch die Erde, aus seinen Knochen die Berge, aus seinem Schädel den Himmel und aus seinen Haaren die Bäume usw.”
Allerdings ist es ja wohl offensichtlich, daß hier eine indoeuropäische Fälschung vorliegt. Denn diese genaue Analogie zwischen seinen einzelnen Körperteilen und den Elementen der Natur deutet ja daraufhin, daß schon vorher ein lebendiger Zusammenhang bestanden haben muß”.
Wir haben hier einen Konflikt zwischen einer bestimmten Art von Kosmologie, die die gesamte Welt als ein organisches Wesen wahrnimmt und zwar in dem Sinne, daß die körperliche Substanz dieses Wesens identisch ist mit dem Weltganzen'” und einer anderen Kosmologie, dıe
® Rudolf Simek: Lexikon der germanischen Mythologie, Stuttgart 1984, S. 469f. ° s. M. Wenger: Göttinnen und Götter, Bergen/Dumme 1994, S.205ff. 10 Gewissermaßen würde es sich hier um eine Art animistischen Pantheismus handeln !
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die Konkurrenz oder den Kampf verschiedener Individuen miteinander als konstituierenden Prozeß des Weltganzen betrachtet.
Übertragen wir jetzt diese Symbolik auf das menschliche Individuum, so bieten sich zwei Sichtweisen: Bei der ersten Variante haben wır ein Wesen vor uns, das Autonomie und Verbundenheit mit der Welt zugleich verkörpert, bei dem der Kontakt zur Welt gleichsam einem organisch-physiologischen Prozeß gleichkommt. In der Kosmologie der drei Ur-Götter Odin, Vıli und Ve ist das Verhältnis zur Welt dadurch gekennzeichnet, daß man etwas verdrängt und kaputtschlägt, wenn man sich zu der Welt außerhalb in Beziehung setzt.
In der ersten Variante sehe ıch den Ausdruck einer Kultur, in der sıch der Mensch durch ruhige Aufmerksamkeit und Zentriertheit in seiner eigenen Tiefe zum Mittelpunkt einer Welt macht, die wahrhaft seine Welt ist, in der ihn auch nichts „aus den Fugen“ bringen kann.
Die polytheistische Ordnung indoeuropäischer Couleur findet sich wieder ın der Kriegsgeilheit, dem kapitalistischen Konkurrenzdenken, dem Verbrennungsmotor und dem Syndrom der multiplen Persönlichkeit.
Ich bin jetzt der Meinung, daß die eingangs erwähnte Sıcht der Welt angenehmer und gesünder ist.
Es gibt ähnliche Gestalten auch in anderen Systemen, die die Ganzheitlichkeit und Verbundenheit von Mensch und Umwelt in Bilder gefaßt haben: Z.B. der Adam Kadmon der Gnostiker und Kabbalisten oder Homo Maximus der christlichen Mystiker '' Simek (s.o.) sieht auch einen Zusammenhang mit dem indischen Yama, dem altiranischen Yıma und dem Tuisto aus der Germania des Tacitus.
Die Idee, daß ein Mensch, der vollkommen mit seiner Umwelt verbunden ist, auch die vollkommene Kontrolle über das Geschehen in dieser Welt hat, läßt eine Querverbindung zu einem anderen Begriffskomplex zu, der uns aus der Psychoanalyse bekannt ist: Dem primären Narzißmus. Damit ist eine Art psychischer Urzustand aus der frühesten Kindheit jedes Einzelmenschen gemeint, in welchem noch nicht völlig bewußt ist, daß zwischen mir als Einzelwesen und der Welt um mich herum wirklich ein physischer Unterschied besteht. Dieser psychische Zustand ist das Erbe jener Lebensphase, die der Mensch in der Allverbundenheit des Mutterleibes verbringt. Natürlich wird dieser Zustand des Narzißmus normalerweise abgewertet mit dem Hinweis auf eine notwendige Anpassung an die „Realität“, hinter die der Mensch in seiner Entwicklung nicht zurückfallen dürfe. Aber die Problematik der Diskussion ist ungefähr so tiefgehend wie die Unfähigkeit vieler „Realitätsmenschen“, den Unterschied zwischen „kindisch“ und „kindlich“ wahrzunehmen.
Der Begriff geht auf Narkissos zurück, eine griechische Sagengestalt. Narkissos soli ein Hirtenknabe gewesen sein, der sein Antlitz auf einer Wasseroberfläche erblickte und sich in sich selbst verliebte. Deshalb soll er das Liebesbegehren der Bergnymphe Echo verschmäht haben und zur Strafe in die nach ihm benannte Narzisse verwandelt worden seın.
Man sieht schon, wie willkürlich Freud seine Projektionen auf diese Gestalt vorgenommen hat. Die ungeheure Bedeutung des Begriffs in der modemen Tiefenpsychologe bis hin zur Sozialphilosophie scheint sich in dem schmächtigen mythischen Fragment kaum wiederzufinden.
Welche Assoziationen ergäben sich denn noch aus diesem mythischen Bild ? Sich selbst ım Spiegel wahrzunehmen heißt doch auch, sich selbst zu erkennen, seine eigene Wesensart aufmerksam zu betrachten.
11 ausführlich erörtert bei Friedrich-Wilhelm Haack: Geheimreligion der Wissenden, München 1976, S. 53ff.
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16 Genau hier haben wir einen starken Affront gegen ein herkömmliches männlıche: Selbstverständnis. Das patriarchalische Machtgefühl ist u.a. deswegen so mitleidlos, weıl diese Art von Mann in der Regel selber taub für seine eigenen Gefühle und Motive geworden ist Leute. die über das meiste Maß an Macht verfügen, wissen oft am wenigsten über sıch selbst. Dabei ist genau das die Vorraussetzung, um sich auf sinnvolle und befriedigende Weise ın der Außenwelt zu bewegen
Wer den Zusammenhang der alten Mythen von einem Gott, der ganz eins mit seiner Welt ıst. m
,
ı Inr (ınctalt Anc Narzıf r rt ahe atsadart! att2 war Horhert Marrnse In seinem der Gestalt des Narziß inhaltlich rıchtizzehend aufgedeckt hatte, war Herbert Marcuse. in seinen
nhi chtiggehend aufgedeckt hatte, waı ‚Iriebstruktur und Gesellschaft“'” heißt es: „Der primäre Narzıßmus ist mehr als mu Autoerotik; er zieht die Umgebung in sich hinein, indem er das närzistische Ich mut c*! objektiven Welh integriert 13 Ferner chakterisiert Marcuse diesen Zustand mit den Worten: „...die Stimme, die nicht betiehl! sondern singt“...“die Befreiung von der Zeit...“, „die Erlösung der Lust, de: Stillstand dei
Fa)
Zeit,...Stille, Schlaf, Nacht...“, „das Schweigen und die Ruhe“
“ Suhrkamp-Verlag, Frankfurt 3.M . 17. Aufl. 1985 ebd. S. 166
17 Marcuse erhebt Narziß ebenso wie Orpheus zu Archetypen'*, Urbildern einer anderen Art von Kultur, die dem Bild des Prometheus als Sinngestait des Leistungsmenschen antithetisch gegenübergestellt wırd. Marcuse resümiert: „Seine Sprache ist Gesang, sein Werk ist Spiel. Das Leben des Narziß ist das der Schönheit und sein Dasein ist Kontemplation.“ Hier sehe ich eine positive Identifikationsmöglichkeit. Statt ständig neue Welten zu erobern, was mit der permanenten Zerstörung „überholter Formen“ einhergeht, proklamiere ich ein Ideal des Einklangs von Menschen mit ihrer Welt.
MEPHISTOPHEBELEBES - LOKI
Wie meine bisherigen mythologischen Darlegungen ergeben haben, entsteht das Bedürfnis nach mythischen Gestalten nicht aus den Mythen heraus, sondern aus Tatsachen und Problemen unseres heutigen Lebens. Es sind nicht die Götter, die uns aus Urtagen der Menschheit oder einer anderen Welt etwas zurufen - wir aber rufen nach ihnen, eben nach jenen, die uns Hilfe zu versprechen scheinen.
Das ıst für mich der Hauptgrund, warum ich eine neuheidnische Kontroverse nicht verstehe, die ich öfter einmal vorgefunden habe: Die zum Teil heftige emotionale Ablehnung gegenüber jener Gestalt, die in der christlichen Theologie als Widersacher oder Teufel figuriert.
Sowohl germanorhile Heiden als auch der freisinnige Frederic Lamond sind sich darin einig, daß Satan in unserer Religiosität keinen Platz habe, weil er nur ein Produkt des Christentums sei und deshalb keine primäre spirituelle Wertschöpfung erlaube.
Sicher spielen dabei auch die von klerikalen Einpeitschern gesäten Vorurteile eine Rolle, Satanisten begingen Ritualmorde, mißbrauchten Kinder und animierten Menschen lediglich zum Haß.
Abgesehen davon, daß es sich hier um billige Projektionen aus der eigenen „Heilsgeschichte“ handeli, wird gerne eines übersehen: Solange die Gestalt eines unumschränkt herrschenden Gottes unsere Gedanken bherrscht, wird stets ein Teil unser Emotionen in die Notwehr einer persönlichen Rebellion fließen, die sich gegen die Übermacht monotheistischer Gottesbilder verwahrt.
Nun ist zwar die christliche ideenwelt mit ihrem himmlischen Tyrannen heute kein Faktor mehr, der Gegenstand bewußter gesellschaftlicher Rezeption wäre.
Doch das ändert nichts daran, daß die individualisierte männliche Tyrannis als Herrschaftsform im gesellschaftlichen Machtgefüge nach wie vor unangetastet steht.
Schauen wir nach Rußland und Amerika ! Denken wir an einen politischen Skandal der jüngsten Zeit in unserem Land, der bewies, daß die billigsten Mafiaideale zwei Jahrzehnte lang unumschränkt von allen geschluckt wurden, die Unterwerfung unter den Vater, dem man nur Gutes unterstellte, bis man einen Blick in die Abgründe der Kioake riskieren durfte.
Und die politische Gegenseite ? Überall bewegt sich die Diskussion ın die Richtung, daß man mit dem Prinzip der Meinungsvielfalt und des offenen Diskurses nur Schwäche zeige, und daß die „Führer“ bedingungslosen Respekt verdienten. Die Entwicklung in den Medien mit ihrer
14 Kurioserweise benutzt Marcuse als absoluter geistiger und politischer Kontrahent der jungianischen Geisteswelt einen pur jungianischen Begriff, den er mit Sicherheit völlg anders definiert hätte, wenn man ihn hätte fragen könne.
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;schauspielerischen Präsentation von Jamit fortwährend Demokratie als ko
so lange das alles so bleibt, hat der Rebell, der die Mächtigen karıkıert, in Frage stellt, ıhre Schwächen aufdeckt. die Absolutkeit ihrer Macht anzweifelt und ihren Sturz vorbereitet, de
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Individuen unterstützt dıesen Kurs nachhaltıg, unierminiert j Ba 3 2
liektiven Diskurs.
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orößten Anspruch auf unsere Sympathie.
Satan. der JHVH' mit der Aussage provozierte, seine Anhänger würden sich von ıhm abwenden. wenn die auferlegten Belastungen überhandnahmen; Loki. der den Göttern gmadenlos ıhre sexuellen Spezialitäten offenlegt in dem Augenblick, wo sie sich als moralische Elite
präsentieren, der Teufel des Hexensabbats, der die Christen dazu ermuntert, die EN . u Wu SP a E : Den Zwänge abzuschütteln, indem sie die geheiligten Riten des Monstrums Kirche
ihnen auferlegten te > verhöhnten...Der Teufel hat zahllose Gesichter. Er ıst das große Nein - gegenüber Ausbeutung Int H RE \ ar “ u" sahrsarzirt 71 I Ar 2 @ 27 und Zwang, gegenüber Unterwerfung und Demut, gegenubei Triebverzicht und Arbeıtshetze oo > E i in - . ne % r 4 6 i Y? BERN: > Br u „ı ar Auch in der Ikonographie des Satanischen haben wir übrigens neben der Rezeption solche: antiker Gottheiten wie Pan oder Hermes eine wilde, spontane Wiederkehr des Tierischen zu vermerken. das die Menschen durch die christliche Ethik bedingt, zu verdrangen gezwungen waren. In vielen Teufelsbildern ist es eine fast regellose Anhäufung tierischer Attrıbute. Fr Iran. Bu TU De . et N] Pr Kh f N = ER HH PS |
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a . 2 s j s : MINE NE Een In Tor 1: ecan IPs Und heute ? Hat sich etwas durch die Säkularısation, das institutionelle Verblassen de
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Christentums geändert “ 4 » . . 4 . . AR En RR er . I 3 & Das kapitalistische System, in dem wir leben, ıst das große Erbe der Leistungsethik, ein System, in dem Profitmaximierung auf Kosten des letzten Funkens tierna
u re hr} protestantiseht
tie!
19 Lebendigkeit ım Menschen und der gesamten äußeren Natur so weit getrieben wird, daß die Vernichtung des Lebens auf unserer Erde zu einer berechenbaren Größe wird. Gegen die Lebensverneimung, die sıch das Tier Mensch in den Shopping-Arkaden und Callcentern, ın First-Class-Hotels und U-Bahnschächten, in Gen-Labors und Internet-Cafes auferlegt, waren selbst die Klöster des fünfzehnten Jahrhunderts Orte fröhlicher heidnischer Unbekümmertheit ! Wenn es wirklich keinen Geist der Verneinung in euch geben sollte, der sich gegen all das erhebt, würde das für mich persönlich ernste Fragen über Sinn und Unsinn eines neuen Heidentums aufwerfen. Zugegeben, Satan ıst nicht gerade sehr friedliebend. Aber er bringt den Funken der Erkenntnis und der Gewahrwerdung in jeder Diskussion, jedem leidenschaftlichen Essay, jedem Augenblick, in welchem wır unser Gegenüber mit der Wahrheit über den Gegenstand der Erörterung konfrontieren. Um jetzt etwas vom Gelaber zum Konkreten zu kommen: Gerade Letzteres, die Wahrheit zu sagen, ist vielleicht die schwierigste, brutalste und unzeitgemäßeste Übung, der wir uns unterziehen können - in einem Zeitalter, in dem das erzwungene Lächeln zur Geschäftsordnung des Dienstleistungsmenschen gehört. Die Wahrheit - sie ist wie eine Schlange, dıe ständig unter der Erde mit jedem unserer Schritte von uns herumkriecht, von der wir befürchten müssen, daß sie jeden Augenblick mit ihrem gepanzerten Haupt die Erde durchstößt, um sich unverhüllt zu zeigen. Wie jedes starke Gift entscheidet hier die Frage der Dosierung über Heilung oder vernichtenden Ruin. Auch hier, wie bei der Erfüllung unserer Begierden ermahnt uns Epikur, das rechte Maß zu beachten !"° Also, auch nach reiflicher Überlegung bleibe ich dabei: Solange wir ohnehin keine Sozialstruktur haben, die wir uneingeschränkt respektieren können, bleibt die satanistische Empörung eine wichtige ethische Grundlage, um in dieser Welt bestehen zu können.
Damit habe ich Euch jetzt drei Gottheiten vorgestellt, deren Geburt ın der Seele eines Mannes meines Erachtens zu sinnvoller Identität führen kann: Ganesha als Repräsentant der Urenergie, die nicht durch Anspannung sondern durch Ausstrahlung entsteht. Ymir als Gott des Weltganzen, der uns lehrt, im Einklang mit uns und unserer Welt zu sein. Und Mephisto, der seine schneidende Stimme gegen Verdummung und Repression erhebt.
Stellen wir uns vor, diese drei kämen wirklich ins Gespräch !
15 Dieses Buch betrachte ich als regeirechte Pflichtiektüre für Heiden: Epikur: Von der Überwindung der Furcht, dtv, München 1991
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Heiden surfen durch's Internet
Heute stellen wir Euch eine Handvoll Seiten zu den zwei Themen Schamanismus und Heidnische Suchmaschinen vor. Auch dieses Mal gilt wieder: Vor jede hier angegebene Adresse ein http:// eingeben. Und weil nichts so schnellebig ist wie das Internet, gibt es auch keine Garantie, daß die Seite bei Euerem Besuch noch in der hier angegebenen Form oder überhaupt existiert.
Zum Thema Schamanismus haben wir fünf Seiten besucht. Da gibt es die Seite www.barlok.ch/DW/, der "Internet-Zeitschrift für Schamanismus 'Drei Welten". Interessant sind vor allem die Links und die Bilder, die man ausdrücklich für eigene Homepages verwenden kann. Es gibt einen Veranstaltungskalender für Trommelkreise, das Ganze ist nett gemacht, aber nicht sehr tiefgehend.
Die Seite www.schamanismus.de wird von jeder Suchmaschine natürlich mit als erstes ausgespuckt, kann aber ohne spezielle Zugangsberechtigung nicht betreten werden.
Dann gibt es da die Seite von "Aufsteigender Adler”, www .kondor.de/index.html, eine ausführliche und interessante Seite, die den Schamanismus u.a. von der magischen/henochischen Seite aus betrachtet. Leute mit entsprechender Vorbildung können sich hier durchaus relevante Anregungen holen.
Nicht so gut fand ich die Seite shamanic-web-ring.de, eine Web-Site, die entweder vom FSS (Foundation of Shamanic Studies) eingerichtet wurde oder dieser Organisation sehr nahe steht. Ich empfand die ganze Seite äußerst esoterisch im schlechteren Sinne, also unverbindlich, konsumorientiert und abgehoben. Es werden Wochenend-Seminare angeboten und ein Shop zum Einkaufen ist auch gleich dabei. Zu den angebotenen Stichworten wird immer dasselbe Buch zitiert. Ein Beispiel: Zum Ziel des Schamanen heißt es: "Der Schamane strebt den schamanıschen Bewußtseinszustand an." Ich hab hier kein Wort darüber gefunden, daß ein Schamane in erster Linie seiner sozialen Gruppe verpflichtet ist, in der er als Priester, Heiler und Lehrer fungiert. Wenn er dieser Aufgabe nicht nachkommt, kann das sehr unangenehm werden: Es heißt, bei nordamerikanischen Indianern (z.B. Creek, Natchez, Comanche, Achomawi) wurde der Schamane getötet, wenn er mehrmals hintereinander als Heiler versagte'°. Dieser Aspekt fehlt hier völlig. Insgesamt eine Seite, die in erster Linie für das FSS und seine Referenten wırbt, sıe wird dem ernsten und tiefen Anliegen des Schamanismus nicht gerecht. Hat mir nicht gefallen.
Als Kontrastprogramm gibt es zum Abschluß die Seite der italienischen Organisation "Where the Eagles Fly", siberianshamanism.com/. Sie ist auf englisch und italienisch (kann man sich raussuchen). Hier sind mehrere echte, handfeste, sibirische Schamanen aus Tuva und Burjatien organisiert. Die Infos über den Schamanismus in Sibirien haben Hand und Fuß, zwar werden auch Seminare angeboten, aber bei Ai-Tchourek und ihren Kolleginnen fühle ich mich schon etwas besser aufgehoben. Schöne Fotos von Ritualen gibt es auch. Meine Lieblingsseite von den fünfen hier.
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16 Aus Kiaus E. Müller "Schamanismus. Heiler, Geister, Rituale", München 1997.
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Zum nächsten Thema: Es folgen vier Suchmaschinen bzw. Link-Listen spezieli für Pagans, die aber allesamt englischsprachig sind. Höchst relevant ist www.AvatarSearch.com/index.htmi, wo man viele Links zu jedem gewünschten heidnischen oder magischen Thema angeboten bekommt,
und zwar mit Kurzvorstellung.
Sehr umfangreich, mit schöner Melodie, aber leider sehr langen Ladezeiten ist die Seite www.witchway.net des "Inner Sanctum of Wicca & Witchcraft". Es gibt hier eine Suchfunktion, | und ich nehme an, daß man dadurch auch verschiedene Links angeboten bekommt. Wissen tu | ich's nicht, weil mir dabei jedesmal mein Rechner abgestürzt ist. Die Eingangsseite des Ganzen
ist etwas sehr umfangreich und für Rechner unterhalb der PII-Grenze anscheinend nicht geeignet.
Ebenfalls eine Suchfunktion, dazu Chats, Messages, News und einen Shop gibt es bei "The | Witches' Web", www.witchesweb.com.
Eine endlose Liste mit Links zu jedem nur erdenklichen heidnischen, mythischen, mystischen oder magischen Thema (z.B. Asatru, Astrology, Babylonian, Celtic, Crowley, Golden Dawn, OTO, Qabalah, Rosicrucian, Shamanism, Sufism, Santeria u.v.a.m.) gibt es beı www.newageinfo.com/res/wicca.htm. Hier kann man Stunden verbringen, also Tür abschließen
und/oder Klingel abstellen! Viel Spaß beim Surfen wünscht Euch Euere Alraune ©
Lingua mystica
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Ein Forum fuer Poesie und Prosa aus den Bereiehen Gothie Paganismus
BO
Die 3eitschrift für alternative Dhilosophie | Drobeexemplar für 8.- DM; u ; erhältlich bei: necron-verlag Kloster St.Gears 12 D-34576 Homberg
Selbstkostenpreis DM 2,00 + 1,50 Porto bei: G. Rademacher - Huttenstr. 38 10553 Berlin
23 Der Heiderstammtisch in Berlin ! Wir treffen uns wie schon bisher jeden zweiten Dienstag im Monat im: L Escargot, einem gemütlichen Restaurant/Kneipe im Wedding. Das nächste Treffen findet am 11. 4. 2000 statt: Das L’Tsargot bietet neben einem fränkischen landbier köstliche vegetarische Gerichte zw annehmbaren Preisen und hat tgl, von 18.00 - 2.00 Uhr geöffnet: Es liegt in der Brüsseler $tr.39, nicht we vom U-Bhf: Seestr. (U-6) (Tel: # 53 15 63). Unser Treffen beginnt immer gegen 19.00 Uhr. Woran könnt Ihr den Stammtisch erkennen 7 In der Müte seht ein kleiner GANESHA nn Got aus Indien). ei unserem allmonatlicchen Tr , Da nenn Mmnthen Trfn, La dan Kematen taken Gedanken und Erfahrungen auszutauschen, vielleicht sogar neue Freundschaften zw begründen. Es WE abo kein Club oder dgl, jederr ist willkommen; Hexen, Magier/Innen, Druid/Innen oder Amagzonen. Allergisch sind wir lediglich gegen hemmungslose Eso-Spinner oder braune Socken. wenn Ihr weitere Fragen habt, einfach Parzival anrufen (030 /#5 #9 3% 25 oder 0173 930 059 5) oder eine e-mail schicken an montzalvage@T-online.de:
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Musik für Heiden
:OF THE WAND AND THE MOON: "'Nighttime Nightrhymes''
'euphonious records / Voices of Wonder, www.vow.dk / Vertrieb durch Indigo]
Kim Larsen ist eigentlich als Gitarrist in die dänische Metal-Band Saturnus involviert. Daneben beschäftigt er sich jedoch mit seiner ganz eigenen Welt der folklore- nspirierten Musik, und vollendete vor kurzem sein Debütalbum "Nighttime Nightrhymes": Anrührende, verzaubernde Melodien, von einer schlichten Akustikgitarre getragen, klar wie das dunkle Wasser eines Sees bei Nacht und doch warm wie das Licht eines kleinen Feuers, welches man am Ufer entzündet, bisweilen erhaben wie der stille Mond oder das erschreckend-magische Nordlicht, manchmal bitter wie der Geruch von Asche, Nebelschwaden, die verfallene Mauern umhüllen.
Eine geradezu apokalyptische Atmosphäre scheint das ganze Album schwach zu durchziehen und hebt es weit über simple folkmusik hinaus. Dazu, oder besser gesagt, darin eingewoben, Kim's intensive Stimme, die teilweise nur geflüsterten Texte, Worte von Liebe, Beschwörungen uralter Mächte. Hin und wieder wird das Klangbild ergänzt, vervoliständigt durch eine Violine, subtile Keyboardparts, Klavier oder eine Flöte. Fragil und doch stark wirken die Lieder - Musik, die sich selbst genügt, ohne dabei gezwungen introvertiert zu wirken, sondern offen wie der große weite Himmel bei Nacht.
Das in monochromem Blaugrau gehaltene wunderschöne Booklet präsentiert die Texte. Einige davon wurden von Kim selbst auf Englisch verfasst, behandeln die Themen Liebe, Sehnsucht und Verlangen, einer ist ein Gedicht des englischen Dichters sir Philip Sidney aus dem späten 16. Jahrhundert, "She with whom compar'd the Alpes are vallies", welches Kim seiner Freundin Julie widmet, ein anderer wurde von Aleister Crowley inspiriert, zwei weitere sind Adaptionen alter isländischer Sagen.
Misstrauisch machte mich auf den ersten Blick ein auf dem Cover und im Booklet mehrmals auftauchendes Symbol, welches irgendwie einer Mischung aus Volksbank-Logo und Hakenkreuz ähnelt. Doch nach einer ausführlichen Unterhaltung, die ich mit Kim per e-mail führte, möchte ich betonen, dass es sich hier auf keinen Fall um einen politischen Spinner handelt, sondern um einen sympathischen, ruhigen und nachdenklichen Menschen, der sich eingehend mit altnordischer Mythologie und Naturreligion beschäftigt, und der mir auch die Bedeutung der Symbole auf der CD erläuterte: es handelt sich um einen Runencode, welcher die Wörter GANDR und MAUNA symbolisiert, die auch die Titel des ersten und letzten Stücks auf der CD bezeichnen: Zauberstab und Mond, the wand and the moon, archaische Symbole für den männlichen und weiblichen Aspekt, magisches Handeln und die Inspiration durch die Nacht.
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KIRILE LOO "Saatus - Fate" / "Luliabies for Husbands” [erdenklang Musikproduktion, www.erdenklang.de, In der Habbecke 18, 59889 Eslohe]
Kirile Loo wurde in einem kleinen estnischen Dorf geboren und verbrachte ihre Kindheit bei ihrer Großmutter, fernab von modernen Städten mit Elektriziät, Fernsehen und Telefon. Von 1983 bis 88 studierte sie in Tallin Musik, doch ihr größter Einfluss war ihre Großmutter, die ıhr schon als Kind die Tradition der uralten Runenlieder nahebrachte. Diese "Regilaul” genannten Runenverse, wie man sie auch in der "Kalevala" findet, der bekanntesten finnischen Dichtung, die eine ähnliche Bedeutung hat wie die germanische Edda, waren in den balto-finnischen Kulturen weitverbreitet. Die Lieder begleiteten die Menschen im Alltags- und Arbeitsleben, wurden bei Festen und familiären Zusammenkünften gesungen. Sie hatten keine feste Form, sondern konnten dem Anlass entsprechend durch das Hinzufügen, Weglassen oder Tauschen von Versen vielfältig verändert werden. Entfernt verwandt ist diese Art des Gesangs und der Dichtung mit jener der mit den Esten sprachverwandten nomadischen Stämme der Samen. Im Verlauf von Jahrhunderten entwickelten sich aus primitiven Liedformen, die aus nur wenigen unterschiedlichen Tönen bestanden, vielschichtigere, komplex strukturierte Stücke, die bisweilen blues-ähnliche Melodien beinhalten.
Im spirituellen Bereich dienten die Verse als Beschwörungsformeln. Magie und Zauber waren selbstverständliche Bestandteile der frühen baltischen Kulturen. Jeder Mensch glaubte an die ihm innewohnenden magischen Kräfte. Besonders begabte Menschen waren Hexen, Heiler oder Schamanene, und insbesondere die weisen alten Mitglieder der Dorfgemeinschaft standen ın hohem Ansehen.
Die Christianisierung im späten Mittelalter riss natürlich auch hier tiefe Wunden in die ursprüngliche naturverbundene Kultur. Ironischerweise finden sich ausgerechnet in Protokollen von Hexenprozessen die ersten schriftlichen Aufzeichnungen der alten Verse. Bis ins 19. Jahrhundrt hinein hielt sich jedoch in den abgelegenen ländlichen Gebieten die Tradition der Runenlieder, bevor sie von neueren Liedformen, die sich durch die Schulen und Kirchen verbreiteten, langsam verdrängt wurden.
Kirile Loo die mit den alten Traditionen aufgewachsen ist, hat die faszinierenden Runenlieder aufgegriffen, und präsentiert sie auf dem 1994 veröffentlichtenersten Album "Saatus" ın ungekünstelter ursprünglicher Form, mit einer hellen, manchmal weichen, dann wieder prägnant- spröden Stimme und in dem ganz eigenen Stil dieser Kultur.
Schwebende schwingende Töne, langgezogene lautmalerische Silben, gesprochene Parts, sanfte Melodien, die sich zu intensiven Beschwörungen steigern, begleitet von traditionellen Instrumenten, z.B. der Kannel, einem mindestens 2000 Jahre alten estnischen Saiteninstrument, Flötenmelodien, die nach Wind und Wasser klingen, eın traditioneller Gong, der früher zur Übermittlung von Botschaften und Signalen Verwendung fand. Immer steht jedoch Kirtle Loos intensive Stimme im Vordergrund, intoniert klagende traurige Gesänge, verspielt wirkende, träumerische, oder fröhlichere tanzähnliche Lieder. Die Texte, welche im Original und in
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englischer Übersetzung abgedruckt sind, vermitteln ein umfassendes Bild von der Vorstellungswelt, die in diesen Liedern lebendig ist, aus einer Zeit, da das Spirituelle ın den Alltag eingebunden war und die Menschen in einem unkomplizierten Verhältnis zur Sexualıtät und in einer direkten Beziehung zur Natur lebten, ohne die Kontruktionen philosophischer Spekulation späterer Zeit. Naturstimmungen, Geschichten von Liebe und Sehnsucht, Schlaflieder, Heilzauber, und auch humorvolle Spottlieder, in denen besonders die selbstbewusst-weibliche unbekümmerte Einstellung auffällt: In "Joodiku nädal" beispielsweise bringt die Interpretin ihre Verachtung für einen Mann zum Ausdruck, der sein ganzes Geld und den Besitz seiner Famile vertrinkt - er sei weder für den Haushalt noch für das Bett seiner Frau von großem Nutzen.
Auf dem "Lullabies" Album erklingen im Unterschied zu "Saatus” neben den traditioneilen Instrumenten auch Samples, Synthesizer und elektrische Violine, die (großteils programmıerte) Percussion tritt mehr in den Vordergrund, und grundsätzlich scheint man versucht zu haben, den Schwerpunkt etwas zugunsten der Eingängigkeit und Zugänglichkeit für mitteleuropäische Ohren verschoben zu haben. Das Booklet ist wieder sehr schön gestaltet, diesmal mit englischen und deutschen Übersetzungen der Texte. insgesamt wirkt das grafische Konzept und Drumherum durchgestylter und professioneller - von ihrem Zauber hat die Musik nichts verloren, es ist meiner Meinung nach nur schade, dass man sich auf derartige Weise einem mit Massen von drittklassigen Folk-, Weltmusik- und Esoterik-Veröffentlichungen überschütteten Markt anbıedern muss
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Deidencum z die andere Keligion
von Fritz Steinbock
Obwohl über das Heidentum noch immer viel Unsinn verbreitet wird, dürfte zumindest in der sogenannten spirituellen Szene — bei Menschen, die geistig-religiösen Alternativen offen und informiert gegenüberstehen — halbwegs klar sein, daß es dabei nicht um eine neue Religion oder Sekte geht, sondern um die natürlichste, selbstverständliche Sache, die es in der Welt der Religionen gibt, etwas, das in jedem Land der Erde mit seinen Menschen hervorgewachsen ist und sie seit jeher begleitet hat: seine eingeborene Naturreligion. Wie die native Americans oder eingeborene Afrikaner, die sich heute in wachsender Zahl wieder stolz zu ihren traditionellen Religionen bekennen, finden auch immer mehr native Europeans in den spirituellen Traditionen ihrer "vorchristlichen" Ahnen einen Zugang zum Heiligen, der langsam auch von Nichtheiden akzeptiert und als gleichwertig anerkannt wird.
Darin liegt aber auch ein Problem. Wer das Heidentum arıderen, nichtheidnischen Religionen gleichstellt, bestätigt ihm nicht immer nur eine gleiche Würde und Ernsthaftigkeit, wie es der Respekt vor den religiösen Überzeugungen aller Menschen gebietet, sondern verfällt oft auch dem Irrtum, es wäre inhaltlich ebenfalls mehr oder weniger gleich oder doch im großen und ganzen auf die gleichen Ziele und Vorstellungen ausgerichtet — eine Religion wie alle anderen, von denen ein beliebter Gemeinplatz behauptet, daß sie doch letzten Endes "alle das gleiche meinen." Das ist bequem für alle, die ein einseitiges Verständnis von Religion vor der Irritation durch Andersartiges zu retten suchen, und eine Krücke für manche, die halb auf dem Weg zum Heidentum sind, aber den Sprung in eine völlig neue, unbekannte geistige Welt noch nicht ganz wagen. Für manche Seminarleiter und Buchautoren am boomenden Esoterikmarkt ist es auch nur eine gute Ausrede, um alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen zu können. Für echte Heiden ist es ganz einfach unrichtig.
Denn wie immer man Heidentum verstehen mag, eines ist es — sofern es wirklich Heidentum und kein Verschnitt ist — auf jeden Fall: Naturreligion. Damit aber unterscheidet es sich von allen Lehren, deren "Reich nicht von dieser Welt ist", so grundlegend, daß es nicht bloß als eine andere Form, sondern als völlig andere Art von Religion betrachtet werden muß. Es hat nicht nur andere Mythen und Riten als das Christentum und ähnliche Glaubenssysteme, deren Vergleich zu der Ansicht führte, daß "alle das gleiche" meinten. Als Naturreligion meint es auch etwas ganz anderes als naturferne, weltabgewandte Lehren, die den Sinn der Welt und des Lebens außerhalb ihrer selbst und das Göttliche in einem fernen Reich jenseits der Wirklichkeit der Natur suchen. Naturreligion heißt: Das Heilige ist in der Welt und eins mit ihr, die Natur ist göttlich und das Göttliche natürlich. Etwas "Übernatürliches" gibt es im Heidentum nicht — und damit ist der gängige Begriff von Religion als "Hinwendung zum Übernatürlichen" hinfällig. Religion überhaupt muß neu definiert werden.
28 /enn sich aber schon an den Grundprämissen ihrer Weltsichten die Geister scheiden, liegt der nterschied zwischen heidnischen und nichtheidnischen Religionen nicht erst auf der Ebene er einzelnen Inhalte, sondern bereits in den Grundvoraussetzungen ihres Denkens und -kennens, in ihren Paradigmen. Der Wissenschaftshistoriker Thomas Kuhn, der diesen Begriff ingeführt hat, erklärt ein Paradigma (griechisch: /orbild") als eine Konstellation von Überzeugungen, Wertvorstellungen und Techniken, die orı den Wissenschaftlern eines bestimmten Fachs zu einer bestimmten Zeit geteilt und kzeptiert werden. Es ist die gemeinsame Weltanschauung dieser Wissenschaftler und das orgegebene Denkmuster, nach dem sie die Phänomene ordnen, beschreiben und erklären, ja ft die Bedingung, unter der Erfahrung überhaupt möglich ist: der Rahmen dessen, was sich berhaupt denken läßt. Neue Erkenntnisse, die sich ins herrschende Paradigma nicht einordnen Issen, setzen sich daher erst durch, wenn sich auch das Paradigma verändert hat — denken wir n Kepler, Galilei oder Darwin. Kuhn geht denn auch davon aus, daß verschiedene 'aradigmen grundsätzlich "inkommensurabel" sind: Wissenschaftler, die mit ihnen arbeiten, ‚etrachten die Welt unter völlig verschiedenen Gesichtspunkten, verstehen sie verschieden und prechen verschiedene Sprachen.
)er Paradigmenbegriff hat sich auch in der Sozialforschung als fruchtbar erwiesen. Er erklärt iicht alle, aber eine ganze Menge der Verständigungsprobleme, die zwischen Menschen mit ‚erschiedenen Weitbildern, Kulturen oder eben auch Religionen auftreten und oft beim besten Nillen nicht lösbar sind. Die betroffenen Menschen können einander gar nicht verstehen, denn jurch die gegensätzlichen Paradigmen, die sie durch ihre Erziehung und Bildung aufgenommen yaben, denken sie völlig verschieden, arbeiten gewissermaßen mit in <ompatibler Software. Was ür die einen logisch, vernünftig, normal und glaubwürdig ist, erscheint anderen irreal und ‚errückt, Normen und Werte der einen Seite haben für die andere keine Gültigkeit, Weisheit ier
sinen ist für die anderen albern, das Heiligste einer Religion ist für eine andere Blasphemie, Aberglaube oder ganz ohne Bedeutung. Es ist unverständlich, daß jemand "so etwas glauben" cann, daß das überhaupt etwas mit Religion zu tun haben könnte.
Im Grunde ist das ein alter Hut. "Wir wissen, daß der weiße Mann unsere Wege nicht versteht", srkannte Chief Seattle in der berühmten Rede über das Naturverständnis seines Volkes. Auch Paulus aus Tarsus, der das Christentum nicht nur verkündete, sondern auch sein zentrales Dogma über die Erlösung durch den Kreuzestod Christi schuf und damit als sein eigentlicher Gründer gelten kann, war sich völlig klar darüber, daß er in der heidnischen Welt vor einer geistigen Barriere stand. Seinen Anhängern in Korinth schrieb er (1 Kor 1, 23), seine Lehre sei den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit'. Er bezog sich dabei, obwohl er sich ihrer bewußt war, nicht auf die intellektuelle Schwäche seiner Verkündigung, sondern auf die, wie er es nannte,
"ungeistige" oder "fleischliche" Lebenseinstellung der Heiden - ihre "Weltverfallenheit" in einem religiösen Paradigma, das Welt und Gottheit nicht trennte und daher für weltabgewandte Erlösungsiehren keinen Platz hatte. "Der ungeistige Mensch nimmt nicht an, was vom Geist Gottes kommt", schrieb Paulus im selben Brief (1.Kor 2, 1-3): "Torheit ist es für ihn, und er kann es nicht verstehen." Die Juden konnten das zwar, aber als konsequente Monotheisten lehnten sie die Vergöttlichung des Menschen jesus ab. Den Heiden dagegen war die ganze Art dieses Denkens fremd. Sie konnten nichts damit anfangen und empfanden es nur als wirr und unsinnig.
Gegen diese paradigmatische Barriere half es auch nichts, daß sich Generationen christlicher Apologeten (wörtlich: "Verteidiger" vor Gericht, im Alltag eher "Entschuldiger") die Finger
29 krumm schrieben, um das intellektuelle Manko auszugleichen und mit Anleihen bei der Weisheit der Welt", die sie eigentlich ablehnten, die fehlenden Argumente nachzuliefern. Die griechische Philosophie lieferte dazu das Handwerkszeug, doch das Christentum näherie sich keineswegs dem europäisch-heidnischen Denken an. Es plünderte seinen Wortschatz, sein Welt- und Menschenbild aber blieb ihm fremd. Die Gebildeten der urbanen Oberschicht, an die sich diese nachträgliche Intellektualisierung eines blinden Glaubens wandte, blieben denn auch unbeeindruckt. Einige wenige schrieben Gegendarstellungen, die meisten aber ignorierten das Christentum völlig. Erst als Kaiser Theodosius die traditionelle Bildungsschicht entmachtet und teilweise ausgerottet hatte, konnte sich das christliche Denken etablieren — und nahm prompt eine Umwertung aller bisherigen Vorstellungen von Geist, Vernunft und Logik vor. Augustinus (354 - 430) schob jede rationale Kritik beiseite und erklärte offen: "Credo quia absurdum est. Ich glaube, weil es widersinnig ist."
Diesem Augustinus verdanken wir letztlich auch die irreführende Vorstellung, Religion wäre im Grunde für alle Menschen das gleiche — nämlich Religion nach christlichem Vorbild. "Die Wirklichkeit, die jetzt Christentum genannt wird", schrieb er, "gab es schon bei den Alten. Sie fehlte nicht seit Anbeginn der Menschheit, bis Christus im Fleisch erschien. Von da ab begann die wahre Religion, die schon da war, die christliche zu heißen." 1400 Jahre später präzisierte Friedrich von Hardenberg, alias Novalis, mit deutscher Gründlichkeit: "Es gibt keine Religion, die nicht Christentum wäre." Als Vertreter der "wahren Religion", die "seit Anbeginn der Menschheit" da war, fühlen sich auch die Moslems, die ledigich dem Juden- und Christentum gewisse Teilwahrheiten zugestehen, weil sie inhaltlich verwandt sind. Scheinbar weitoffene und tolerante Theorien von "universaler Religion" erweisen sich bei näherer Betrachtung als genau das gleiche: Um darin überhaupt Berücksichtigung zu finden, muß eine Religion ausreichende inhaltliche Verwandtschaften zu den "ewigen Wahrheiten" aufweisen, die sie nach christlich- abendländischer Denktradition braucht, um als wahr und weise, als "Hochreligion" oder überhaupt als Religion anerkannt zu werden.
Was Heidentum nicht ist, laßt sich demnach auch daran erkennen, welche religiösen Lehren zu dem —- nach christlichen oder von christlicher Tradition bestimmten Kriterien — auserwählten Kreis der "Hochreligionen" gezählt werden. Ganz verläßlich ist das nicht, denn es war nicht gut möglich, Religionen hoch entwickelter Kulturen mit Hunderten Millionen lebender Mitglieder ganz aus diesem Kreis auszuschließen. Aber die Frage, was christlich-abendländische Deuter an einer polytheistischen Religion wie dem Hinduismus oder einer theoretisch atheistischen, in der Praxis mit heidnischen Gottheiten verbundenen Philosophie wie dem Buddhismus als wahr und weise beurteilen, läßt sich eindeutig beantworten: Es sind ausschließlich die dualistischen, weltabgewandten, jenseits- oder erlösungsorientierten Denkmuster, die moralisierenden Weltdeutungen, die Skandalisierung von Leiden und Tod, der Frust an der Vergänglichkeit und die Sehnsucht nach einem Ewigen, Unwandelbaren und Absoluten jenseits der unbeständigen Realität steten Wandelns und Werdens.
So pickt sich die konventionelle Interpretation aus der gewaltigen geistigen Vielfalt Indiens, die auf dreitausend Jahre freier Entwicklung zurückbiickt, nur jenen Teil heraus, der ins gewohnte Bild christlich-abendländischen Religionsverständnisses paßt, genauso wie einst die christlichen Apologeten aus der griechischen Philosophie nur diejenigen Denker zitierten, die ihnen gelegen kamen, genauso wie jene Althistoriker, die in der -- durchaus heterogenen — religiösen Szene der griechisch-römischen Antike die traditionellen, kulturprägenden Naturreligionen als bloße Folklore abtun und höhere Religiosität nur in subkulturelien Mysterienkulten vermuten, und ebenso wie vergleichende Religionsforscher, denen zu Mythen und Riten "primitiver"
30 Kulturen nur vorgefaßte Deutungsmuster einfallen, die lediglich ihr eigenes Denken spiegeln — etwa die notorische Fehlinterpretation sexuell betonter weiblicher Kultfiguren ausschließlich als "Fruchtbarkeitsidole", weil in der christlichen Denktradition weibliche Sexualität nur als Mittel zur Fortpflanzung toleriert wird und die Vorstellung, sie könnte etwas an sich selbst Heiliges sein, einfach undenkbar ist.
Wer das Heidentum - die Art von Religion, deren Paradigma im europäischen Kulturkreis seit der Zwangsmissionierung durch christliche Kaiser und Könige unterdrückt und als "ungeistig", fehlerhaft, irreal oder barbarisch und primitiv denunziert wird - verstehen und selbst wieder ausüben will, muß aber genau das tun: das Undenkbare zu denken lernen. Heidnisch zu denken heißt zuallererst, sich von sämtlichen Vorurteilen der christlich-abendländischen Denktradition zu befreien, jede aus ihr überkommene Vorstellung von Göttlichkeit, Heiligkeit, Diesseits und Jenseits, Natur und Mensch zu hinterfragen und nichts als bekannt vorauszusetzen.
Dinge, die einander scheinbar gleichen, sind oft ganz verschieden: Die keltische Anderswelt ist kein weltfernes Jenseits, sondern inmitten der Alltagswelt gegenwärtig und untrennbar mit ihr verwoben, die neun Welten im germanischen Mythos sind durch den Weltbaum Yggdrasil sogar ein einziger lebender Organismus, das Schicksal ist keine von außen gelenkte Vorsehung, sondern ein immanentes Kausalgesetz, Seele und Geist nicht vom Körper getrennt und die Wiedergeburt kein wiederkehrendes Leid, das Erlösung verlangt, sondern ein Aspekt des natürlichen Kreislaufs von Werden und Vergehen, der heilig und gut ist.
Als Naturreligion ist das Heidentum immer jebensbejahend. Eben deshalb, weil es das Heilige in der Natur findet, ist ihm das Leben in dieser Welt heilig. Es ist durchaus nicht "diesseitig‘ im oberflächlichen Sinn, denn es weiß, daß die Weit tiefer als ihre Oberfläche ist, wohl aber insofern, als es Sinn und Ziel des Daseins nicht außerhalb seiner selbst, sondern in der Welt und im richtigen Leben sucht. Heiden streben genauso nach religiösem Heil wie die Anhänger anderer Religionen, doch sie wollen nicht von der Welt geheilt, sondern in der Weit heil werden — ganz (griechisch "holos"), intakt, vollendet und "rund", sowohl im spirituellen als auch im ganz handfesten Sinn: gesund, frei und ein bißchen glücklich. Heidnisches Heil ist das, worum es auch im
Christentum den Menschen in Wirklichkeit immer ging, dann nämlich, wenn sie um gesunde Kinder, eine gute Ernte und Frieden beteten. "Gute Ernte und Frieden" (Ar ok fridr) war auch der traditionelle Heilswunsch der heidnischen Wikinger. Dieses Heil ist keine theologische Spekulation, sondern konkret erfahrbar: als Freude an den Segnungen der Natur, als Kraft, Schwierigkeiten zu meisten, und selbsi noch im Scheitern, wenn wir mit dieser inneren Kraft auch ihm ins Auge sehen können. Das europäische Heidentum war nie groß im Trösten, aber stets unerreicht darin, in Dichtungen wie der Völsungasaga und der griechischen Tragödie das Scheitern nicht nur schonungslos darzustellen, sondern mit dieser Darstellung auch die Kraft zu vermitteln, es anzunehmen.
Woher aber kommt diese Kraft, an der es Religionen, denen der Weltschmerz nur die Flucht in billigen Trost und Verheißungen eines besseren Jenseits erlaubt, ganz offenbar mangelt? Zum Teil sicherlich aus der Vitalität früher Kulturen, deren Menschen mit beiden Beinen im Leben standen. Der verwöhnte Prinz Siddharta hielt der Konfrontation mit Krankheit, Alter und Tod nicht mehr stand, er verzweifelte an der Welt und erfand den Buddhismus. Zivilisationskrüppel waren aber auch die Griechen der Spätantike, von denen etliche auf die Erlösungsverheißungen orientalischer Jenseitsmysterien abfuhren, ähnlich wie sich heute frustrierte Stadtneurotiker in den Netzen von Scientology und abstrusen Geheimkulten fangen. Nur — sehr viele, nach der ungebrochenen Beliebtheit der homerischen Götter zu schließen die meisten, verstanden immer
u. Val irn
noch, warum es Odysseus, dem Kaıypso Unst Familie heimzukehren und einmal zu sterben.
Denn genau daher kommt diese Kraft: aus den Wurzeln, die uns von Geburt an mit der Natur und dem Göttlichen, dem Mysterium allen Seins und der Quelle aller Kraft und Stärke verbinden. Die Familie, die Kette der Generationen bis zurück zum Ursprung des Lebens und vorwärts in ferne Zukunft, ist ein Teil davon, ein anderer ist das Land, dem wir angehören, die Erde, aus der wir gewachsen sind und in die wir zurückkehren
werden, und ein dritter, nicht unwesentlicher ist das Bewußisein darüber. Religion, lateinisch re-ligio, Rückverbindung, ist auch für europäische Heiden, die Eingeborenen unseres Kontinents, genau das, was eingeborene Amerikaner in der Sprache des weißen Mannes die spirituelle Verbundenheit mit der Erde nennen — das Bewußtsein eingeborener Menschen, dal sie eins mit der Erde ihres Landes sind, eins mit der
Natur, die sie umgibt, deren Geist in ihnen lebt und in deren Geist sie leben. Diese Natur ıst nicht "Umwelt", sondern ein Teil von ihnen. Ste sind keine Fremden ın der Welt. Sie sind Verwandte, Angehörige allen Seins.
Deshalb kann man nicht - oder eben nur aus der Sicht eines anderen Paradigmas — behaupten, das Heidentum "übersehe" etwas, sei "blind" für ein angeblich höheres Sein jenseits der Welt oder ließe die Menschen mit ihren letzten Fragen allein. Diese Fragen stellen sich gar nicht. Der Welt — und das heißt, um es noch einmal zu betonen: der Ganzheit des Seins in allen seiner Dimensionen, dem umfassenden Organismus der neun Welten Yggdrasils — fehlt gar nichts, das man in einem "Reich" suchen müßte, das "nicht von dieser Welt ist." Der griechische Philosoph Thales, einer jener ältesten Denker, die in der christlich-abendländischen Tradition als "bloße" Naturphilosophen nur noch eine Nebenrolle spielen durften, während die Hauptrollen spinnigen Metaphysikern zuerkannt wurden, faßte das heidnische Wissen um die Heiligkeit der Natur in einem einzigen Satz: "Alles ist voll von Göttern." Das höhere Sein, das
32 sie verkörpern, ist nicht irgendwo draußen. Es ist um uns und in uns, seit jeher und immerdar. Wenn wir unsere wahren Ursprünge und Wurzeln in der Natur finden, die ganz ohne Zweifel existiert, greifbar und echt ist, haben wir keinen Grund, sie in einer erdachten Hinterwelt zu vermuten, von der wir bloß glauben könnten, daß es sie gibt.
Das Heidentum ist daher auch kein Glaube. Die Gleichsetzung von Religion und Glaube ist nur eine protestantische Altlast der deutschen Sprache. Eine der an diesem Buch mitarbeitenden Gruppe, der Heidenkreis Hamburg, prägte den Begriff "Erfahrungsreligion". Als solche unterscheidet sich das Heidentum einmal dadurch von den Offenbarungsreligionen, daß es anstelle einer autoritären Offenbarung eine freie mythische Überlieferung besitzt, die selbst in Freiheit entstanden ist und frei akzeptiert und kritisiert werden kann, und zum anderen dadurch, daß es an einer solchen Offenbarung auch gar keinen Bedarf hat. Sie würde voraussetzen, daß die Menschen selbst nicht in der Lage wären, das Göttliche zu erfahren, und deshalb Hilfe von außen bräuchten: gleichsam Signale aus dem All, die der ewige Alien schickt, um mit uns in Kontakt zu treten. Seit mindestens 30.000 Jahren — gezählt nach den ältesten erhaltenen religiösen Kunstwerken in den Pyrenäenhöhlen und an der Donau — haben die Heiden in aller Welt bewiesen, daß das nicht nötig ist. Das Heilige gehört derselben Realität an wie wir und ist mit angemessenen Mitteln, die sich millionenfach bewährt haben, durchaus erfahrbar. Die Aufgabe der Religion ist es daher nicht, Lehren zu verkünden und Glauben an sie zu predigen, sondern diese bewährten Mittel zur eigenen religiösen Erfahrung jedes Menschen bereitzustellen oder, wie die Wicca-Heidin Viviane Crowley schreibt, "uns zu befähigen, das Universum zu erfahren, um so zu unserem eigenen Verständnis über seine Natur und seinen Sinn zu gelangen.” Somit ist Heidentum seibstbestimmite Erfahrungsreligion. Es ist im ganz persönlichen Sinn die eigene Religion jedes einzelnen Heiden.
Zugleich ist es aber die eigene Religion seines Landes, seiner Kultur und Geschichte. Es ist keltisches, finnisches, russisches oder japanisches Heidentum, native American und traditional African religion, englisches Wicca und nordische Äsatrd. Die Vielfalt und Verschiedenheit der heidnischen Traditionen ist notwendig und richtig, denn sie kommt aus der Vielfalt der Natur, die überall anders ist, und der Verschiedenheit kultureller und historischer Erfahrungen. Im Heidentum wird der Mensch nicht auf das "allgemein Menschliche" reduziert, das ihn zwar mit allen Menschen ein wenig, aber mit niemandem fest und ganz verbindet. Der "Mensch an sich" ist keine konkrete Person, nur ein auswechselbares Individuum ohne Eigenart, Ursprung und Platz in der Welt. Er ist nirgends zu Hause und überall fremd. Daher legen Heiden Wert auf historische und kulturelle Verwurzelung, knüpfen an die Tradition ihrer Vorfahren und ihres Landes an und begnügen sich nicht mit individueller Selbstverwirklichung und persönlicher Reifung. Eine rein kontemplative, nur auf Erhöhung und Weisheit des einzelnen zielende Tradition gab es im alten Heidentum ebensowenig wie eine eigentlich elitäre, geheimbündlerische. Selbst die Druiden waren keine abgehobene Elite, sondern hatten mit ihrem Wissen, ihrer geistigen Stärke und ihren magischen, seherischen und heilenden Kräften in erster Linie eine gesellschaftliche Aufgabe zu erfüllen.
Nur in dieser Einheit von ökologischer, sozialer und traditioneller Verwurzelung und Verantwortung kann sich das Heidentum auch als eigene Religion jedes einzelnen verwirklichen. Als Lebewesen, die nicht für sich allein existieren, können wir nur in ihr ganz und heil werden, nur in ihr sind wir überhaupt wir selbst. "Erkenne dich selbst", der Rat des Apollon von Delphi, ist keine Aufforderung zu selbstgenügsamer Nabelbeschau, und "Du selber leite dich selbst", wie die Seherin Groa in der Edda sagt, keine Ermunterung zur Beliebigkeit oder zu der in heutigen Esoterikerkreisen so weit verbreiteten unbekümmerten Mischung verschiedener Traditionen zu einem indifferenten Brei nur sehr iose und künstlich verbundener Ideen. Man mag einwenden, daß auch in diesem Beitrag Griechen, Germanen und Kelten bunt
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Kell: EHRE
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durcheinander zitiert werden, doch ich denke hinreichend gezeigt zu haben, daß deren Traditionen als Ausprägungen ein und desselben religiösen Paradigmas mit Recht vergieichbar sind. Von einer Mischung heterogener Traditionen, etwa Runen und Kabbalistik, keltischer und buddhistischer Wiedergeburtslehren, Theosophie und schamanischer Erfahrung, kann man das nicht behaupten. Es ist zwar durchaus begrüßenswert, wenn sich esoterisch orientierte Menschen nun endlich auch mit den eingeborenen Traditionen der eigenen Länder und Kulturen beschäftigen, statt immer nur stur nach dem Osten zu blicken, doch es muß auch klar sein, daß sich heidnische Elemente nicht in das bestehende Schema einordren lassen.
Die landläufige Esoterik verfolgt sein gut zweitausend Jahren, seit sie sich aus den gnostischen, neoplatonischen und manichäischen Hinterwelt-Philosophien der Spätantike entwickelt hat, eın im Grundprinzip dualistisches Schema, das geistige Höherentwicklung als Abkehr von allem zu Irdischen, Materiellen und menschlich Natürlichen sieht. Weltabgewandtheit, Mißachtung des sterblichen Lebens, Körper- und Sexualfeindlichkeit gehören trotz allen heute offenbar nötigen Gegenbehauptungen zum Grundrepertoire esoterischer Lehren, die auf "Vergeistigung" zielen und eine Selbstverwirklichung anstreben, die eigentlich Selbsterlösung ist, also letztlich nur das christliche durch das buddhistische Modell ersetzt. Damit bietet die traditionelle abendländische Esoterik keine wirkliche Aiternative. Sie ist nur eine weitere Variante im Spektrum naturferner Hinterwelt- und Erlösungsiehren, die mit Versatzstücken heterogener Traditionen ihr eigenes, Nichteingeweihten verschlossenes "Reich" schafft, das "nicht von dieser Welt" ist — und nicht von dieser Geselischaft, denn die selbsternannte Elite der Eingeweihten besteht eben nicht aus Druiden und Medizinmännern, die ihrem Stamm dienen, sondern ist lediglich an ihrer eigenen, individuellen Vervollkommnung interessiert,
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Ich will nicht alle Esoteriker in einen Topf werfen, aber was heute im Großen und Ganzen im Handel ist, bestätigt meine Behauptung, daß das Heidentum der einzige gangbare Weg ist, der aus der Entfremdung und Entwurzelung des modernen Menschen hinausführt, ihn wieder mit seinen wirklichen Ursprüngen in der Natur und im Göttlichen in Verbindung und Einklang setzt und ihm ermöglicht, sein eigenes Wesen als Kind der Natur und der Götter, seines Landes und seiner Kultur und Geschichte, als in seinem Dasein geborgener, freier und für sich selbst und die Seinen verantwortlicher Angehöriger seiner menschlichen und nichtmenschlichen Mitwelt erfüllen, verwirklichen und vollenden zu können. Keine elitäre Selbstverwirklichung auf "rein geistiger" Ebene, keine beliebig-synkretistische Heilslehre ohne konkrete Wurzeln, sondern einzig das heidnische Paradigma der Einheit von Natur und Gottheit, der bewußten Bindung an Erde, Ahnen und Sippe, des Dienstes der Religion am Heil aller auf allen Ebenen des Lebens und ihrer Verwurzelung in der eigenen, eingeborenen Tradition ist imstande, uns nach all den Jahrhunderten geistiger Fremdbestimmung durch autoritäre Glaubenslehren wieder auf den Weg eigenständiger religiöser Erfahrung zu führen.
Der Markt ist voll von Lehren, deren "Reich nicht von dieser Welt" ist. Sie unterscheiden sich nur dem Namen nach voneinander. Das Heidentum, die einzige wirklich "andere" Religion, ist die einzige wirkliche Alternative.
Diesen Artikel fand ich auf einer Seite des Odinic Rite Österreich (http: //www.geocities.com/Athens/Olympus/3342)). ich finde, daß er ganz Wesentliches beinhaltet. Allerdings muß ich auch gestehen, daß mir bei bestimmten Begriffen wie „Tradition unserer Vorfahren und unseres Landes“ ein bißchen muimig wird. Andererseits ist der Artikel für mich ein Beispiel eines traditionsbezogenen Heidentums, das dennoch über ein hohes Maß an Aufgeklärtheit und Reflektionsfähigkeit verfügt. M.W.
Frühling !
VON UTA
Seit dem letzten Fest im Schnee hat sich die Welt um uns herum verändert. Unmerklich mit den ersten Schneeglöckchen im Februar (Imbolc), gefolgt von der früh blühenden Weide und dem Haselstrauch, brach die erstarrte Welt des Winters auf. Die Farben kehren nun langsam zurück. Immer noch spärlich zeigen sie sich hier als ein gelber Strauch, dort als winzige zartgrüne Blättchen in einer Hecke. Noch ist der Winter nicht gegangen. Noch ist das Warten nicht vorbei. Doch in seinem letzten Mond ist die Erstarrung des Todes endgültig der Hoffnung auf ein neues Leben gewichen. Der Frühling kommt - unaufhaltsam. Du kannst es riechen, fühlen, schmecken und in deiner Seele pochen hören. Das Leben will sich wieder entfalten mit jener unbändigen Kraft, den jedem Anfang innewohnt.
Verbunden mit der erwachenden Erde feiern wir das Fest der Tag-und-Nacht-Gleiche, das Fest des Aufbruchs in den Frühling. Wir umgeben uns mit den Symbolen der Fruchtbarkeit und des Wachstums, der immer empfängnisbereiten Häsin und dem kosmischen Ei, das die Göttin nach dem Schöpfungsmythos der Pelasger in Gestalt einer Taube legte, um die Welt zu gebären.
35 Um in Kontakt mit der Frühlingsgöttin zu kommen, suche dır einen kleinen, verschwiegenen Platz in der Natur. Es muss kein besonderer Kultplatz sein, sondern einfach nur ein Platz, an dem du dich wohl fühlst. Schaffe dir einen heiligen Raum auf die Weise, die dir vertraut ist (ein Kreis, ein Viereck, eın Tempei mit verschiedenen Altären, einfach "bloß" singen ...) und rufe die Hüter der Elemente (Tiere, Winde, Elementargeister ..). Lege dann deine mitgebrachten Symbole des Frühlings und der Fruchtbarkeit (Blumen, Eier ...) innerhalb deines heiligen Bezirks in die Himmelsrichtung, die für dich den Frühling symbolisiert und setze dich in die Mitte des Kreises. Schließe nun die Augen und bitte die Wesen des Ortes dich zu beschützen. Wenn du dich ganz sicher fühlst, mach eine Entspannungsübung, damit dein Geist leer werden kann ... Du sinkst jetzt immer tiefer in dich hinein, bis du die Stelle in deinem Körper erreichst, an der du das Gefühl hast ganz bei dir angekommen zu sein... Nimm jetzt auch deine Verbindung zur Erde wahr. Spüre die Stelle, an der sich dein Körper an die Erde schmiegt und lass die Energie der Erde über deinen Atem in dich einströmen ...Lass nach einer Weile einen Ton in deinem Inneren entstehen, in dem sich die Erdenergie ausdrücken kann. Fange an diesen Ton zu singen und lass diesen Ton deinen heiligen Bezirk füllen. Die Energie des Tons verdichtet sich dabei immer mehr und du beobachtest, wie er sich langsam zu einer zuerst zarten, durchscheinenden Gestalt formt, die rasch mehr und mehr an Form gewinnt ... Es ist die Gestalt einer jugendlichen Frau, ganz im Grün des Waldes gekleidet, nur ihre Augen sind zeitlos - weder alt noch jung. Um ihr Haar ist ein Kranz aus Blüten gewunden, deren süßer Duft dich betört und um sıe herum grünt und sprießt alles in üppiger Schönheit. Die wilden Tiere liegen ihr zu Füßen und um ıhren Mund spielt ein Lächeln - lieblich, doch nicht ohne Grausamkeit.
Versuche das Bild der Göttin so lebendig wie möglich zu halten, während du beginnst ihr zu Ehren ein Liebeslied (mit oder ohne Worte) zu singen. Verändere deine Melodie, drücke alles aus, was dir spontan in den Sinn kommt, zensiere nichts. Es gibt nichts, was blöd ist oder unangebracht. Dies ist dein persönlicher Kontakt zur Göttin, den du auf deine persönliche Weise gestaltest. ...
Wenn deine Melodie langsam verebbt, dein Tanz sich dem Ende neigt, kehre noch einmal
zur großen Gestalt der Göttin zurück. Schau ihr in die tiefen, zeitlosen Augen und stelle ıhr stumm die Frage: "Was muss ich tun, um lebendig zu sein?" Ihre Augen nehmen jetzt dein ganzes Sichtfeld ein, werden größer und größer, bis nur noch die schwarzen Pupillen übrig bleiben. Warte, geborgen in der Dunkelheit der Göttin, auf ein Zeichen (Vielleicht hast du plötzlich eine spontane Idee oder eın Bild aus einem Traum fällt cır ein oder du hörst den Ruf eines Tieres. Auch hier kann Alles Hinweis sein.)
Dann kehre wieder an die Stelle in deinem Körper zurück, an der du dich ganz bei dir fühlst und spüre die formlose Anwesenheit der Göttin um dich herum. Bedanke dich bei ihr für das Wissen, was du erhalten hast und bitte sie, deine Gaben anzunehmen. Dann verabschiede dich von ihr.
Jetzt spürst du wie die Göttin wie ein Spiralnebel zu den Sternen (oder bei Tag: ın den blauen Himmel) aufsteigt, um an die Quelle ihres Seins zurückzukehren ...
Bleibe noch eine Weile sitzen, nimm die Erde unter deinem Körper wahr, höre die Geräusche des Waldes in deiner Umgebung. Nimm dann drei tiefe Atemzüge und sage dir: "Ich bin jetzt wieder ganz bei mir, auf dieser Welt, in diesem Leben." Öffne danach die Augen.
Löse nun deinen heiligen Bezirk wieder auf und danke den Hütern der Elemente für ihre Anwesenheit. Feiere allein oder mit deinen Freunden ein Fest zu Ehren der Frühlingsgöttin und
36 lasse deine Gaben als Geschenke im Wald zurück (Sie sollten essbar sein, damit sie den Tıeren
des Waldes auch bekommen.) Dieser Artikel erschien in dem befreundeten Magazin STEINKREIS Nr. 30!
Der Steinkreis - pagan network &.V.-1
Kontakt über: Uta Sprenger. |
Puntheide 21, 33619 Bielefeld!
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DE CONFESSIO THELEMA
von
Frater I.C.
* * * “ * * * * + * VORWORT
Für jeden, der sich zum Gesetz von Thelema bekennen will, ist es unbedingt notwendig, die zentralen Grundsätze dieser unserer Gemeinschaft zu begreifen. Ohne sachliche Kenntnis der Axiome wäre jede Mitgliedschaft in einer Gemeinschaft leer und bedeutungslos. Erst das wirkliche intellektuelle Wissen um das, was die Gesetze sind, als Grundlage ihre Bedeutung zu erfassen, ermöglicht es, danach sein alltägliches Handeln auszurichten, was allein erst ein wirkliches Mitglied einer religiösen Gemeinschaft ausmacht.
In diesem Sinne wenden wir uns auch entschieden gegen die Vorstellung es gäbe eine 2000 jährige christlich - abendländische Tradition oder gar Geschichte. Man muß nämlich bedenken, daß erst Luther, und mit ihm andere Protestanten, die Bibel, das mythische Orientierungswerk der christlichen Sekten, vom Lateinischen in die Muttersprache übersetzten; erst seit Ende des 16. Jhrd. begann sich ein religiöser Unterricht an Nichtgeistlichen herauszubilden; erst etwa seit dem 17. Jhrd. begannen immer mehr Menschen in Europa selbst lesen zu können. Im fortschrittlichsten Land der frühen Neuzeit, Frankreich, konnten um 1789 e.v., also zur französischen Revolution, nur durchschnittlich 30 % lesen. Auch wurde die Messe der katholischen Kirche vielerorts noch bis ins 20. Jhrd in lateinischer Sprache abgehalten. Bedenkt man dazu, daß bis in die beginnende Neuzeit die meisten Menschen nur ein- bis zweimal im Jahr Zeit hatten in eine meist abgelegene Kirche zu gehen, so können wir selbst unter gutwilligster Betrachtung nur zwischen etwa 1700 - 1970 e.v., also nicht einmal ganz 300 Jahre, von einem christlich abendländischen Zeitalter sprechen, bezogen auf Wissen und Handlungsmöglichkeit nach christlicher Ethik unter der breiten Bevölkerung.
So waren es auch die ethisch informierten und handlungsfähigen Protestanten, die vollbrachten, was die katholische Groß - Sekte nicht vermocht hatte : einen deutlichen Bruch im Leben der Gesellschaft der Gegenwart im Vergleich zum Mittelalter und der antiken Frühzeit zu erreichen. Denn es war maßgeblich die protestantische Ethik des Hortens, Sparens und Gelderwerbens als Zeichen göttlicher Gnade, die die ethischen und moralischen Grundsätze herausbildeten, welche heute die Idee des Kapitalismus bilden. Max Weber wies diese Wurzeln der heutigen westlichen Nationen vor Jahrzehnten in seinem Werk "Die protestantische Ethik und der Geist. des Kapitalismus" nach.
Dies zu Beginn auszuführen ist für eine Abhandlung über thelemitische Philosophie von herausragender Bedeutung, denn es unterstreicht die Relevanz ausführlicher und korrekter Information für den Erfolg einer Religion. Wenn Thelema in der Zukunft eine Maßstäbe setzende Gemeinschaft sein soll, so müssen die zentralen Punkte immer wieder dargestellt und analysıert werden. Elitäre Geheimniskrämerei beeindruckt sicher keinen, zumindest keinen wırklich erwünschten Anwärter. Verweise, wie "unfaßbar heilig", "nur für Auserwählte deutlich" oder "ein ewiges Mysterium Gottes" sind der Tod für unser Anliegen : nämlich die Menschen als Individuen zum Wissen um ihren wahren
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Weg zu bringen, und ihnen die Erkenntnis zugänglich zu machen, die sie aus eigenem Vermögen die Bedingungen für Zufriedenheit und Weisheit erkennen und verwirklichen lassen. Diese Eigenschaften sollen nie wieder von der wie immer definierten Willkür menschlicher oder metaphysischer Wesen, wie immer diese beschaffen seien, abhängen. Ein jeder soll durch das Gesetz von Thelema durch sein eigenes Wissen und seine eigene Kraft in die Lage versetzt werden, sich glücklich und weise zu machen, ohne die rechtmäßige Bahn seiner Nächsten zu stören.
Somit ist Thelema eine Religion im Sinne des Wortes, also eine Rückbindung. Dies impliziert, daß der von uns angestrebte Zustand einmal schon Tatsache gewesen sei. Dies bestreiten wir nicht, sondern betonen, daß der Mensch durch die Verwicklungen von Gesellschaft und Zivilisation ebenso in die irre geführt wurde, wie das Machtstreben Einzelner, die den Menschen eine Moral vermittelten, die sie von sich selbst fortführte, indem sie steinerne und hölzerne Götzen anbeten sollten, ihre eigene Größe für die Verwahrlosung anderer opferten sollten oder indem sie durch die Übermacht äußerlicher Erscheinungen ihren wahren Willen und Weg vergaßen, sei dies durch Verfolgung oder die Verlockung durch Güter. Den kritischen Geistern gegenüber jedoch beharren wir keineswegs darauf, daß unser Gesetz aufs Haar von früheren Zeiten und Völkern in der Tat ausgeführt wurde, meinen jedoch, daß gewisse vergangene Kulturen dieses Ideal durchaus wesentlich faßlicher umzusetzen vermochten, als dies die gegenwärtigen, allen voran die westlich - christliche, erreichen.
Schließlich drücken wir unser Bedauern aus, daß 89 Jahre nach dem Diktat des "Buch des Gesetzes", welcher unser Hort der Weisheit und die mystische Offenbarung der höchsten Genies darstellt, die Darlegung und Proklamation des Gesetzes des neuen Äons und das Tor zu Freiheit, Glückseligkeit und Volikommenheit für die Menschen aller kommenden Äonen, zahlreiche kleine Gemeinschaften unter dem Siegel von Thelema schönreden, die wenig von der ursprünglichen und tatsächlichen Lehre verstanden haben und verbreiten. Vor allem durch jene ist Thelema in den ungerechtfertigten Ruf gekommen Teufelsanbeterei, menschenfeindlich und ein neuer Aberglaube zu sein. Ersteres erweist sich sofort als falsch, wenn man erkennt, daß es kein Bestandteil thelemitischer Philosophie ist, irgendein Wesen anzubeten oder zu verehren, wie auch Vorstellungen wie "Gott" oder "Teufel" als primitiv und irrational verworfen werden. Dieses Mißverständnis ist teils auch auf die häufige Betätigung im religiösen oder magischen Sektor gegenwärtiger Thelemiten zurückzuführen. Wir wiederholen aber, daß dies kein Bestandteil von Thelema ist oder sein sollte. Der Vorwurf menschenfeindlich oder gesellschaftsfeindlich zu sein, ist ein billiger Versuch der Diffamierung, beruhend auf der Ignoranz oder tatsächlichen Unkenntnis unserer Schriften. Oft werden verkürzte Zitate, die eine symbolische Bedeutung haben, aus ihrem Kontext gegriffen zitiert und gegen uns gegenüber einem nicht informierten Publikum verwandt. Auf diese Weise zu operieren zeigt nur aufs Neue deren Unredlichkeit, und den Unwillen, das Individuum als Entscheidungsinstanz zu respektieren. Dem dritten Vorwurf will ich durch die Logik der wesentlichen Aussagen aus dem "Buch des Gesetzes" (auch : "Liber Al vel Legis" kurz Liber Al oder Liber Legis) entgegentreten, die im Folgenden dargelegt werden sollen.
Ich betone, daß über das hier Gesagte hinaus ein jeder selbst zu entscheiden verpflichtet ist, und ihm keiner das Recht und die Bürde abnehmen kann, dies abzuwägen und nach seiner Erkenntnis umzusetzen. Ich selbst zweifle nicht, daß das Gesetz von Thelema in seiner wahren Bedeutung einst Richtschnur aller Menschen sein wird, denn wie falsches Handeln nach dem rationalen Gesetz von Ursache und Wirkung den Handelnden selbst zerstört, so gilt auch das Gegenteil, wie es im Liber Legis IIE, 42 heißt : "Erfolg ist dein Beweis."
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I. DAS IST GESETZ FÜR ALLE "... Do what thou wilt shall be the whole ofthe Law." (Liber Legis, Buch I, Vers 40) >> Tu was du willst soll sein das ganze von dem Gesetz. <<
Dies ist der Kern der thelemitischen Lehre, der Gruß unter uns, dessen elf Worte den Schlüssel zu aller Erfüllung darstellen, und dessen Verdrehung in "Tu was dir gefällt..." die gefährlichste und verkehrteste Mißdeutung darstellt. Dieser Wille wird von uns nicht umsonst auch 'wahrer Wille‘ genannt, weil wir meinen, es gibt für jeden auch eine Unzahl falscher "Willen", weiche wir Wünsche nennen, und von Buddha Begierden oder Anhaftungen genannt wurden. Die Idee des wahren Willens ist fast identisch mit Lao Tse's Vorstellung vom Tao; es bedeutet, daß jedes Individuum eine nur ihm eigene Laufbahn hat, seinen Weg, der für ihn der einzig geeignete ist, und der in ihm verborgen liegt, sich von dem unterscheidet, was durch spontane Wirkungen, wie die gesirige Werbung, oder längerfristige, wie seine Sozialisation, seine Wünsche und Handlungen beeinflußt. Der hintere Teil des Satzes drückt aus, daß dies das ganze Gesetz ist. Da ist keine Einschränkung, keine Bedingung, kein aber. e ganze Problem dreht sich nur um die Erkenntnis dessen, was der eigene wahre Wille ıst, und was nicht.
Dieses Gesetz ist völlig starr und unbeugsam, denn keine Handlung wird fortan gebilligt, als dıe der eigenen inneren Notwendigkeit. Es heißt auch : "Du hast kein Recht, außer deinen Willen zu tun.” Aber dies Gesetz ist auch völlig biegsam, denn es kann von jedem Menschen nach seiner Situation angewandt werden. Darin unterscheidet es sich von zeitlich oder räumlich begrenzten Gesetzen, wie das Hebräische Verbot des Essens von Schweinefleisch, welches mit Sicherheit mit der schnellen Verderblichkeit von Schweinefleisch bei der orientalischen Hitze zusammen hängt.
"For pure will, unassuaged of purpose, delivered from the lust of result, is every way perfect." (I, 44) >> Denn reiner Wille, unbefleckt von Absicht, befreit vom Gelüst nach Ergebnis, ist ın jeder Weise vollkommen. <<
Dies untermauert, daß sich der wahre Wille grundlegend von den Wünschen unterscheidet, er ist vieimehr das Schreiten auf seinem wahren Weg, um des Schreitens willen, in Einheit mit dem Weg. Derjenige, welcher geht, hat dabei kein festes Ziel mehr vor Augen, der Weg ist das Ziel geworden. Dies wird im zweiten Buch reflektiert durch die Verse 30 - 32 "Wenn der Wille anhält und 'warım' ruft, und dadurch 'weil' anruft, dann steht der Wille still und bleibt untätig. Wenn Kraft warum fragt, dann ist Kraft Schwäche. Auch Vernunft ist eine Lüge, denn da ist ein Faktor, unendlich und unbekannt, und alle ihre Worte sind verdreht."
Dies verwirft die rationale Frage nach der Ergründung einer Motivation; so wie der Vogel seine Natur auslebt und fliegt, ohne begründen zu müssen, warum er nicht rennt oder taucht, soli der Mensch nach seiner inneren, wahren Natur, seinem wahren Willen gemäß handeln, nachdem er diesen ausgemacht hat. Im unendlichen Kosmos hat der beschränkt ausgestattete Mensch gar nicht die Möglichkeit, absolut wasserdichte Begründungen zu finden. Da man weder allwıssend noch aligegenwärtg ist, ıst
EWREHRBRHTTURRERGENSUESLRESEE HERNE HERR URS OENB EEE BTENZRTEEEE
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jede Aussage immer relatıv;, rationale Analyse erklärt sowieso einen Sachverhalt immer nur symbolisch. Eın Ding wird a genannt, welches wir in Abgrenzung von b definieren, welches wiederum durch c erklärt wird, usw. Entweder drehen wir uns so im Kreise, oder wir kommen in unendliche Definitionslücken. Die Mißachtung der Tatsache, daß Logik die Wirklichkeit nie ganz erfassen kann, wird unsere Gesellschaft womöglich völlig von jeder Realiätserfahrung entfremden. Vollkommene Handlungen geschehen absolut automatischh wie Bergsteigen, Schreibmaschine schreiben, Schwimmen, Laufen usw. Ebenso ist der wahre Wille zu verstehen.
"Every man and every woman is s star." (I, 3) >> Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern. <<
Dies betont den Stern - Charakter des Menschen, der seinen wahren Willen folgt; er ist wie ein Planet oder ein Stern, der seiner Bahn folgt. Auf diese Weise erfüllt er seine Funktion im Kosmos, jedoch völlig absichtslos. Wenn jeder nur seiner Bahn folgen würde, nicht achtend und ständig sorgend, was die anderen machen, gäbe es keine Interferenz der Wege, jeder wäre frei. Wird derjenige, der seinem wahren Willen folgt aber gestört, so ist dies zweifellos das Ergebnis des anderen, der versucht, seiner wahren Natur fremde Wege zu gehen. Es verweist uns darauf, daß jedes Menschen Bahn auch völlig einmalig ist, und kein anderer sie gehen könnte. Jeder Mensch ist so absolut einmalig, und mehr als Biologie und Psychologie aus dem Menschen zu machen suchen. Seinem Willen folgend kann keiner ihn selbst ersetzen, mag auch seine Funktion ersetzbar scheinen, so wird doch kein Mensch sie genauso ausfüllen, das gleiche dabei fühlen und denken, nicht er selbst sein.
Auch betont dies, daß jeder Mensch, gleich ob Mann oder Frau, diese Einmaligkeit und Sternen - Natur hat. Die Gleichwertigkeit nicht nur von Mann und Frau, sondern jedes Menschen als ein Stern wird darin verkündet. Natürlich unterscheiden sich die Menschen in ihren Eigenschaften, ihrem Wissen und ihren Wünschen, aber letztlich sind alle Erscheinungen des gleichen Ursprungs, alle mit der Fähigkeit ausgestattet, diese Urnatur wieder zu entfalten, ungeachtet der Tatsache, daß die sozusagen "Unerwachten" in der Tat die uns bekannte Masse sich unterscheidender Einzelgänger sind, denen Biologie, Soziologie und Physik als Erscheinung auf der Spur sind. Diese Sternnatur muß erkannt und befreit werden.
"... Bind nothing ! Let there be no difference made among you between any thing and any other thing, for thereby cometh hurt." (1, 22)
>> Bindet nichts ! Lasset da keinen Unterschied sein zwischen irgendeiner Sache und irgendeiner anderen Sache, denn dadurch kommet Schmerz." <<
Dies führt das Vorangegangene fort, und betont, daß alle Erfahrungen gleichwertig sind. Kein Erlebnis ist an sich irgendwie, erst unser menschliches Vorhandensein und die Interpretation durch unseren Geist macht sie zu beurteilten Erfahrungen. Ein Gasherd, der explodiert, und uns verbrennt, ist nicht böse oder tückisch, sondern einfach schlecht gewartet. Aber auch der Schläger, der uns bedroht ist nicht böse, er setzt einfach seine Erfahrungen auf die Weise um, die er lernte, oder weil ihm andere sich nicht erschlossen haben. Natürlich werden diese Erlebnisse dadurch für unseren Körper und das Gemüt nicht weniger Schmerzhaft, aber dies zu bedenken ermöglicht es uns, Ereignisse einfach als Tatsachen zu betrachten, denen man mit Mitteln begegnen kann, und denen man nicht ausgeliefert ist. Auch heißt es, daß alle Dinge einen Nutzen haben, und wir so groß sind, wie wir Nutzen aus allen Dingen zu ziehen in der Lage sind. Im Bilde unseres Kosmos haben alle Dinge einen Platz, und das Problem besteht darin, daß ein jeder den Richtigen erkennt und ausfüllt.
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Alles was ist, ist nach dem thelemitischen Weltbild ein Sakrament, ein Spiel des göttlichen Alls mit dem Menschen. So lautet auch die Anforderung den Magister Templi, einen der höchsten Grade im thelemitischen System der Einweihung, jedes Phänomen als eine persönliche Beschäftigung Gottes mit dem Sucher aufzufassen. So erkennt er alles Seiende als prinzipiell gleichwertige Offenbarung des Kosmos.
"The Khabs is ın the Khu, not the Khu in the Khabs." (I, 8) >> Das Khabs ist im Khu, nicht das Khu im Khabs. <<
Khabs ıst der altägyptische Begriff für das göttliche Licht, bedeutungsverwandt mit dem kabbalistischen Kether, dem hinduistischen Atman und Jesus’ "Königreich Gottes". Khu ist die äußere menschliche Erscheinung, besonders die spirituellen Anteile, wie Äther- und Astraikörper, betonend. Dies stelit eine völlige Umkehr der traditionellen und populären Sichtweise dar, die den Mensch und seine spirituellen Anteile als Mikrokosmos eines amorphen göttliche Alls sieht; diese Interpretation der Schöpfung nennt man meist Pantheismus. Er vergleicht den Mensch mit der Zelle des Organismus, sieht ihn als kleiner Teil, als Abbild eines göttlichen Kosmos. Das Liber Legis kehrt diese Vorstellung vollkommen um; darin wırd das sogenannte Göttliche als im menschlichen Individuum wohnend dargelegt. Man selbst ist dieses göttliche Selbst, welches um sich einen Verstand, ein Gemüt und einen Körper errichtet hat, das im Laufe der Zeit aber seine wahre, einstige Natur verdrängt und vergessen hat, und schließlich auch in niemand anders dieses göttliche Selbst mehr duldet, weshalb viele gegenüber anderen Befreiten feindlich reagieren. Es ist das Ego von Verstand und Gefühl, welches um seine Herrschaft fürchtet und nicht nur jede Regung des Selbst in sich durch Rationalisierung oder emotionale Überschwemmung verdrängt, sondern mit den gleichen Mechanismen es auch in keinem Mitmenschen akzeptieren will. Sozialisation, Bildung und Kommunikation der ganzen "gefangenen" Geselischaft laufen darauf hinaus, dieses göttliche Selbst zugunsten des Egos zu unterdrücken.
Der große Fehler der Mystiker liegt darin, das Göttliche als etwas größeres, außerhalb seiendes zu erklären; dadurch nehmen sie sich die Fähigkeit, selbst zu handeln und die Probleme der Geselischaft aktiv anzugehen. Meist ziehen sich Mystiker vom Leben zurück, weil sie unfähig sind, mit alltäglichen Schwierigkeiten zu handhaben. Sie sind auch nicht bereit, ihr wirkliches Alleinsein zu akzeptieren, und suchen ein göttliches 'Du’ als von sich getrennte Einheit. Das Liber Legis fordert unmißverständlich die völlig Identifikation mit dem Göttlichen, so heißt es in II, 23 : "Ich bin allein : da ist kein Gott wo ıch bin." Klar, denn man ist es selbst.
"... Refuse none, but thou shalt know and destroy the traitors. ... Success ıs thy proof : argue not; convert not; talk not overmuch ! Them that seek to entrap thee, to overthrow thee, them attack without pity or quarter and destroy them utterly. Swift as a trodden serpent turn and strike ! Be thou yet deadlier than he ! Drag their souls to awful torment : laught at their fear : spit upon them !" (TI, 42)
>> Weise niemanden ab, aber du sollst die Verräter kennen und zerschlagen. ... Erfolg ıst dein Beweis : disputiere nicht; bekehre nicht; rede nicht zuviel ! Jene, die dir Fallen stellen wollen, die dich niederwerfen wollen, die greife an ohne Mitleid oder Nachsicht und richte sie zugrunde. Schnell wie
42 eine getretene Schlange wende dich und schlage zu ! Sei du noch tödlicher als sie ! Zerre ihre Seelen hinab zu schrecklicher Qual : lache ihrer Furcht : spucke auf sie ! <<
Dies betont auf menschlicher Ebene eine Einstellung echten geistigen und ethischen Adels. Man sei jedem Menschen gegenüber völlig offen und ohne Voreingenommenheit; ein Jeder hat seine Chance zu bekommen, keiner, der sich an uns wendet darf zurückgewiesen werden aus Laune oder Antipathie heraus. Aber die Gegner unseres wahren Wiilens müssen wir mit aller Kraft bekämpfen, zu stark ist ihre Präsenz. Dies betrifft sowohl Verräter in uns, also wieder aufkommende Neigungen und Gewohnheiten, die uns von unserer wahren Bahn abbringen, wie auch andere Menschen, die uns nötigen, sich ihren Normen und Vorstellungen zu unterwerfen. Wir müssen auch die Forderungen der
"besten Freunde" zurückweisen. Niemand kann uns besser sagen, welches unser wahres Wesen ist, so gut solche Ratschläge gemeint sein mögen. Jede aus eigenem Entschluß gemachte Erfahrung ist besser, als jedes noch so erfreuliche Resultat aufgrund eines Ratschlags, der unserem Wesen eigentlich widersprach. Man muß seine Mitmenschen nicht gleich umbringen, wenn sie meinen, die eigenen Probleme besser zu kennen, aber dauernde Ratgeber resolut zurechtweisen und unter Umständen resolut aus dem eigenen Leben verbannen. Die christliche Idee des Mitleids kann an dieser Stelle nicht nur dazu führen, daß das Übel am Leben gehalten wird, sondern daß es sich irgendwann auch gegen uns wendet, und seine einstigen Ernährer frißt. Eine solche selbstzerstörende Haltung kann kein geistig - ethischer Adel rechtfertigen, denn seine Qualitäten werden durch die Verrotteten zunichte gemacht, die dann auch der Gesellschaft fehlen. Er ist also in jeglichem Sinne verpflichtet seine Fähigkeiten der
Menschheit zu erhalten, und nicht nur für sich, sondern als lebendiges Vorbild statt als Märtyrer aus Schwäche heraus.
ll. DIE GEMEINSCHAFT VON THELEMA "Now ye shall know that the chosen priest and aposte of the infinite space is the prince-priest the Beast; and in his woman calied the Scarlet Woman is all power given. They shall gather my children into their fold: they shall bring the glory of the stars into the hearts of man." (1, 15) >> Nun sollt ihr wissen, daß der erwählte Priester und Apostel des unendlichen Raumes der Priester der Prinzen, das Tier ist; und seiner Frau, genannt das Scharlachweib, ist alle Kraft gegeben. Sie sollen
meine Kinder in ihre Schar bringen; sie sollen die Herrlichkeit der Sterne in die Herzen der Menschen bringen. <<
Hier werden zwei wichtige Ämter dargestellt. Das erste ist das Tier, oder das Amt des Therion, welches Aleister Crowley als Erster inne hatte. Ihm wurde die Verantwortung übertragen, das Äon zu eröffnen, wie es anderen zu anderen Zeiten gegeben war, wie z.B. Jeheshua ("Jesus' in Vulgärsprache) von 2000 Jahren oder Moshe, Krishna und Zoroaster. Therion (griech.: "Tier") ist der Titel des obersten Priesters, etwa dem christlichen Papst, dem buddhistischen Dalai Lama oder dem jüdıschen Oberrabbiner vergleichbar. Schon Crowley betonte in seinen Kommentaren, daß es sich um ein Amt handelt, und nicht, wie viele meinen, um Crowleys einmaligen Namen. Das Tier ist eine Verkörperung, ein Avatar, der durch ein Amt vertreten wird. Es unterscheidet sich aber von den zuvor genannten, daß kein Mensch einem dies Amt verleihen kann. Nur einer, der im magischen Orden den Abyssos
43.
überschritten hat, also einen besonderen, hohen Grad der Einweihung inne hat, kann Therıon werden. Er wird es kraft seines Wissens und seiner Macht. So kommt es, daß dies Amt auch nicht notwendigerweise kontinuierlich durch einen inkarnierten Menschen verkörpert wird, da Inkarnation, also physische Körperlichkeit keine Bedingung für einen so hoch Eingeweihten darstellt. So hat der einst als Aleister Crowley Inkamierte noch immer das Amt des T herion inne, bis ein neuer Magus zu dieser Aufgabe erwählt wird. Im Moment gibt es einige wenige, aber vielversprechende Anwärter, dıe im verborgenen wirken, und sich den aufrecht Suchenden einst und zur rechten Zeit ebenso offenbaren, wie der jetzige Meister Therion dem Autor dieser Zeilen.
Das Scharlachweib hat weniger die Funktion des Erklärers der Mysterien, sie ist die, die die Kraft des neuen Äons in der Welt verankert; sie nimmt die Kraft der Initiierten auf, und verteilt sie auf die Menschen, um die nötigen Entwicklungen zu erreichen, die das Äon und das Gesetz von Thelema einst vollenden. Sie wird durch ihre Fähigkeiten bestimmt und vom Therion bestätigt, durch Kräfte und Wissen, die jedem anderen unerreichbar sind. Dem Sucher und Eingeweihten offenbart sich ihre wahre Natur ebenso wie die des Therions, und ich hege keinen Zweifel, daß sie durch das ganze Äon von Horus hindurch würdige wie erfolgreiche Vertreter der thelemitischen Bewegung seın werden. Ihre gemeinsame Aufgabe ist den Menschen zu helfen, ihre Sternen - Natur zu erwecken, damit sie ihren wahren Willen erkennen und vollbringen können.
"But she said : The ordeals I write not; the rituals shall be half known and half concealed; the Law ıs for all." (1, 34)
>> Dann sprach sie : Die Prüfungen schreibe ich nicht; die Rituale sollen halb bekannt sein und halb verborgen; das Gesetz ist für alle.<<
Dies führt ein sehr wichtiges Thema ein. Es besteht ein geheimes und sehr komplexes System spiritueller Einweihung in Wissen und Macht. Dies ist der Orden "Argenteum Astrum ; weichem geheime Meister unter Vorsitz des Therion vorstehen. Sie leiten eine Hierarchie von Eingeweihten, die im Verborgenen dafür sorgen, daß dies Zeitalter seinen notwendigen Gang geht, und jeder wirklich Bereite sich auf den Weg machen kann, seinen wahren Willen zu ergründen und zu verwirklichen. Diese Gemeinschaft bietet die schnellste, sicherste und angemessenste Methode den wahren Willen zu erkennen und schließlich umsetzen zu können. Aber die Prüfungen und Initiationen bleiben geheim, denn der Orden bildet die künftige Elite aus. "Lasset meine Diener Wenige und Geheime a. sie sollen die Bekannten und Vielen regieren." (1,10) Ihr überlegenes Wissen und ihre subtile Kraft soll die alte Ordnung zerschlagen und schließlich eine neue, nach thelemitischer Grundlage aufbauen. Aber wer, der ihnen nicht angehört, kann ihre Pläne wirklich kennen ?
Die Rituale teilen sich in zwei Arten; solche für die, die zu dieser Elite des Wissens und der Macht aufsteigen wollen, und solche, die zwar ihrem wahren Willen folgend Thelemiten sind, aber a anderen dazu verhelfen, weil ihre Aufgabe, ihre Natur eine andere ist. Diese ist nicht weniger wichtig oder ehrenhaft, sie ist einfach anders beschaffen und erfordert: eine ‚andere Organı sation und Erscheinung. Die Rituale sollen nicht nur die Zusammengehörigkeit festigen, ‚sondern ‚die feıneren Kräfte den anderen übermitteln und das höhere Wissen dem Rest allmählich nahebringen und offenbaren.
ießli > Gesetz sein soll, gilt für Das Gesetz schließlich, also Thelema, bzw. daß Tu was Du willst das ganze 1 sol alle Menschen: dies, und keiner der anderen Sätze soll das Gebot für die ganze Menschheit sein. Er ist Anfang und Ende aller Handlungsrichtlinien. Der Rest des Liber Legıs ıst Hilfestellung, Erläuterung
und Appendix.
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this is our law and the joy of the world. Thınk not, o king, upon that ie . That Thou Must Die : vers dir it t, ia 73 71. thou shalt not die but bive...” (IL, 21)
=>Nır < h; >} 7 gamepin Y 12 a .L ne , ‘ z .. : i y »>Nichts haben wir gemein mit den Verworienen und den Schwachen . lasse sie stersen ın IAre:
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Nic wg rn “ gi Pr: >»? nn ; Äy nr/ n v2 .c j } inr 2 . } j 3 ’ Misere. Denn sie fühlen nicht. Mitleid ist das Laster der Könige : trete nieder die Falschen und cıe
zn arhan ' Y,ao ıct hac (,acat; pay“ +4 .r : vo y Rn 4 t R 3 Schwachen - @le8 ISt das (sesetz dei Stärke dies ist unser Geseiz und die Freude der \
ich NK Aänı ap an FH h a or . . 1.4 4 nicht, O König, an die Lüge, daß du sterben mußt; wahrlich. du sollst nicht sterben sondern leben.
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Dieser Abschnitt wendet sich zunächst gegen das Duckmäusertum und die scheinbare Anpassung. Viele, die dem spirituellen Pfad folgen, versuchen sich möglichst "normal" zu geben, sich den anderen anzupassen, halten sich zurück mit ihren Ansichten, auch wenn die "Normalen" ihre Ansichten zu jeder sich bietenden Gelegenheit zu Markte tragen. Sie glauben, wenn man so täte, als sei man wie jene, SO würden sie es einem Danken, indem sie ihn dulden und akzeptieren. Aber dies ist ein Irrglaube. Man glaubt ein wenig seiner Meinungen für ein wenig gesellschaftliche Anerkennung verschachern zu können. Damit tut man seiner Sache keinen Gefallen. Wer so falsch ist, Gleichheit zu heucheln, auch wenn sich sein Innerstes gegen die Macht der Masse wehrt, kann kein wirklicher Anhänger eines spirituellen Weges sein, und wieviel weniger ein Thelemit. Auch die Schwäche ist keine Rechtfertigung, sondern beweist nur das Mißtrauen in die eigenen Ideale. kein Schwacher kann gut sein, denn gut sein erfordert Stärke. Das mitleidige Hilfeleisten bei Leuten, die durch eigene Fehler ihr Verderben bereitet haben, nimmt ihnen meist jede Möglichkeit, daraus zu lernen. Auch verewigt es die Mißstände in der Gesellschaft. Zur Kritik am Mitleid lese man Nietzsches "Antichrist".
In den meisten Fällen sind die mitleiderfüllten Helfer nur durch ihre eigene Furcht selbst so tief zu fallen, dazu motiviert anderen ihre Hilfe anzubieten. Aber die Hilfe eines Schwachen an einem Schwachen kann keine Stärke hervorbringen. Hast du das Recht, deinem Mitmenschen die Erfahrungen eines Lebens dadurch zu rauben, daß du ihn bemitleidest ? Das Liber Legis verbietet keine Hilfe. Aber es ist die heute verbreitete geistige Einstellung, die den Helfenden zu einem feinen Kerl und den Gefallenen zu einem Schuldner macht. Wenn du wirklich helfen willst, so prüfe dein Inneres sorgsam und streng, ob es nicht nur deine Furcht und dein schlechtes Gewissen sind. Ein Thelemit leistet nur Hilfe, wie sie ein Ritter einem anderen leistet, der etwa durch Unachtsamkeit sein Schwert fallen gelassen hat, und es ihm reicht, oder der hintergangen wurde, und ihm hilft, wieder seinen Weg zu finden, um seinen Wahren Willen zu verwirklichen.
Wie in Liber Legis ID, 42 bezieht sich dieser Satz aber auch auf eigene innere Einstellungen. Lüge, Schwäche und Feigheit sind mit Thelema unvereinbare Eigenschaften. Jeder Thelemit muß eine äußerst strenge Selbstdisziplin üben, um nicht sein Gemüt sondern den wahren Willen Herr seiner Handlungen sei zu lassen. Schließlich legt das Liber Legis die Vorstellung eines unsterblichen höheren Selbst des Menschen dar. Zwar wird der Leib vergehen, aber das Selbst des Menschen verbleibt ewig. Dieser Gedanke ist sorgfältig unterschieden von der Vorstellung der Seele, wie sie etwa die Christen vertreten. Dieses Selbst und seine Bahn ist keine psychologische Instanz, die einem "dreinredet" wie das Gewissen. Es ist die Verkörperung dieses Weges. Es ist der Mensch höchst selbst, nicht ein eigener Teil innerer Demokratie. Der Mensch ist in Wirklichkeit nur dieses Selbst, letztlich sind Körper,
Gemüt und Verstand nur einst erschaffene Spieizeuge. Das Selbst wird diese schließlich doch dahin
bringen, wohin das Selbst es will. Und nur mit diesem Selbst sich zu identifizieren, sich quası wiedererkennen kann die Aufgabe der Initiation sein.
"He that is righteous shall be righteous still; he that is filthy shall be filthy still." (I, 57) >>Wer rechtschaffen ist, der soll auch fortan rechtschaffen bleiben. Wer unflätig ist soll auch weiterhin
unflätig bleiben. <<
Das Tao Teh King demonstriert uns seine Weisheit, indem es rechtschaffen und unflätig als Fehlurteiie verwirft, und im Lichte des zuvor gesagten ist dies auch so. Aber der Mensch isi ein sozialisiertes Wesen, und er wird, wenn er nicht eine hohe Stufe der Erleuchtung erreicht hat, immer unterscheiden zwischen ehrenhaft und niedrig, gleich wie weit seine Toleranz geht, so muß er doch Grenzen setzen, sei es auch nur, um seine Ego - Individualität zu erkennen. Für uns, die wir nicht so weit wie Lao Tse oder die Stoiker sind, alles Äußerliche zu verwerfen, ja sogar alles von Gemüt und Verstand kommende
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nicht mehr zu bewerten, muß jedoch klar werden, daß die Unterschiedlichkeit der Aufgaben keine Wertung darstellt. Im Buch des Gesetzes heißt es nach der Erklärung der Aufgaben von Therion und Scharlachweib, daß "ihr" (die anderen Leser) "nicht so erwählt seien." Es heißt nicht, daß alle anderen weniger erwählt, also wichtig seien, sondern daß ihr Weg einfach anders ist. Die Elite hat kein Recht, die Dissidente zu verachten, denn ohne sie wäre die Gesellschaft wie ein Kopf ohne Körper. Aber die Dissidente muß ihren Platz anerkennen. Und dieser Platz wird einem von keinem Menschen noch von einem Gott zugeteilt; es ist der eigene, wahre Wille, der den Erfolg nur auf diesem wahren Weg ermöglich.
Ein Wort muß aber nun gesagt werden zu dem Begriff des "Erfolges", welcher ın unserer Philosophie eine solche Schlüsselposition einnimmt. Unsere Vorstellung von Erfolg muß von der der Menschen sorgfältig unterschieden werden, und wie könnte es auch anders sein, ıst doch unsere Instanz eine jenen völlig fremde. Ein Manager mag durchaus reich werden, mächtig unter den Menschen und völlig mit sich zufrieden, aber dennoch in unserem Sinne erfolglos sein. Diese Kritik unterscheidet sich sehr von der eines Christen, welcher den Starken fürchtet und ihm daher einzureden trachtet, daß ihn sein Erfolg unglücklich macht. Unser Erfolg fragt immer danach ob es mein Wille war dieses oder jenes zu tun, oder ob ich nur die Wünsche meiner Umwelt reflektiert habe. Dies erfodert eine tiefe Selbstintrospektion, eine mentales Training wie es u.a. der Argenteum Astrum aber auch zahlreiche andere Geimeinschaften lehren. Die letztliche Lösung dieses Konfliktes besteht nur in der Erlangung bestimmter Initiationen, die allein den Zugang zu Kräften und Fähigkeiten ermöglichen, welche einen jeden für sich erkennen lassen, welches der eigene wahren Wille ist. Für jeden sieht dieser Weg etwas anders aus, und alle haben doch gewisse Gemeinsamkeiten darın.
"The ending of the words is the Word Abrahadabra." (Hl, 75) >>Das Ende der Worte ist das Wort Abrahadabra.<<
Mit diesem Satz endet das Buch des Gesetzes, und dies ist von größter Bedeutung. Abrahadabdra ıst das Wort des Großen Werkes, d.h. es symbolisiert und erklärt die höchste Initiatıon und letzte Erleuchtung, das Ziel und der Ausgangspunkt aller magischen Arbeit. Dies ist gleichbedeutend mit dem, was die Kommunikation mit dem eigenen göttlichen Genius und der Zerstörung des Ego sowie der Identifikation mit dem höheren Selbst genannt wird. Dies ist die einzige Möglichkeit, wırklich zu erkennen, was der eigene wahre Wille ist, und obgleich es nicht jedem Menschen zu dieser Zeit gegeben ist, dies zu erreichen, so können doch viele, die dies nun beginnen auch mit der Möglichkeit rechnen, dies in dieser Inkarnation noch abzuschließen, so sie jung genug und fleißig sind.
Mit dem Erlangen dieses Grades, nämlich eines Adeptus Minor, und ın seiner Vollendung als en Magus, hört die Notwendigkeit für Worte, Gesetze und Belehrungen auf, daher ist Abrahadabra das Ende der Worte. Es ist das Ziel, für welches sich einzusetzen es sich ausschließlich iohnt, und das überhaupt erst die Grundlage dafür schafft, die wahren Willen erfolgreich umzusetzen. Dies bedeutet zunächst ein Aufgeben der Macht von Körper, Gemüt und Verstand zugunsten des Selbst und
47 schließlich die notwendige Aufgabe der Existenz dieser drei. Diese Angelegenheit ist weit jensits der Erläuterbarkeit durch Worte, und darım unmöglich zu schmähen, zu profanisieren oder zu untergraben, und darum soll nichts weiter gesagt werden hierüber, außer zu jenen, welche alles aufgaben und sich aufmachten, dies zu erreichen.
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I. DIE FREUDE DER WELT - THELEMITISCHE MORAL
"Fear not at all; fear neither man nor Fates, nor gods, nor anything. Money fear not, nor laughten of the folk foliy, nor any other power in heaven or upon the earth or under the earth. ..." (IT, 17)
>> Fürchte überhaupt nichts, fürchte werder Menschen noch Schicksale, noch Götter, noch irgendetwas. Geld fürchte nicht, noch das Gelächter der törichten Menge, noch irgendeine Macht im Himmel oder auf Erden oder unter der Erde. ...<<
Das Ablegen der Furcht ist sicher mithin die größte und zugleich wichtigste Herausforderung für einen Thelemiten. Aus Furcht wird ein Mensch leicht zu Handlungen verleitet, zu denen er sich sonst nicht hinreißen ließe. Daher ist Furcht niemals ein guter Ratgeber. Auch ist Furcht immer ein Instrument der Macht für üble und korrupte Menschen und Vereinigungen gewesen. Daher ist jeder Versuch der Manipulation durch Angst die bösartigste und meist leider sicherste Vorgehensweise. Aber Furcht zu überwinden ist die Aufgabe jedes Einzelnen selbst. Denn viele Ängste sind völlig unbegründet und von
uns selbst erschaffen. Darum hat Meister Therion gesagt : "Furcht ist Versagen und der Vorläufer des
Versagens; und Mut ist der Beginn des Erfolges."
Die Umfassende Bedeutung dieses Satzes ist aber, daß wir lernen müssen, uns von äußeren Umständen unabhängig zu machen. Lao-Dse sagte, daß der Weise jenseits von Lob und Tadel stehe, und dieser Satz meint fast das gleiche. Der einzige Unterschied zur Lehre des Tao ist, daß uns die Welt nicht völlig gleichgültig werden soll. Vielmehr soll unser Wahrer Wille zur Richtschnur werden, und dahin führt der Weg, indem wir uns von Lob und Tadel, Ablehnung und Ermutigung unabhängig machen. Wir neigen sehr schnell dazu, wenn uns jemand kritisiert, gerade mit besonderem Eifer auf dem bisherigen Weg weiter zu machen, um zu beweisen, daß wir recht haben, und der andere keinen Einfluß kat. Aber dies ist natürlich ein Trugschluß, denn derjenige hat uns ja schon beeinflußt. Der Anfang muß also gemacht werden, indem wir hartnäckige Kritiker, die uns immer wieder in solche Situationen bringen, aus unserem Umfeld konsequent zu vernbannen.
Viel tückischer in der Kraft der Verführung ist natürlich das Lob. Wir machen etwas immer wieder, weil wir uns Lob und Anerkennung erhoffen. Daran ist aber nichts schön, es ıst ebenso Manipulation, wie der Tadel. Nur wer sich innerlich gefestigt hat, und sich immer frei und in Übereinstimmung mit Seinem Wahren Willen entscheiden kann, kann sick auch ruhig jede Kritik und jedes Lob anhören.
48 Aber die Entscheidung darf man sich niemals aus der Hand geben lassen. Besser aus eigener Entscheidung einen Fehler zu machen, als aus Schmeichelei oder Angst den "richtigen" Weg beschreiten. Solch ein Weg ist nie richtig, denn nur der Weg der Erkenntnis ist der einzig Richtige, und Erkenntnis kann nur durch Erfahrung verinnerlicht und verstanden werden. Und nur in der selbst gemachten Erfahrung lernt man sich selbst kennen. Und dies erfordert eben Mut.
"Aye ! feast ! rejoice ! there is no dread hereafter. There is the dissolution, and eternal ecstasy in the kisses of Nu. ... Dost thou fail ? Art thou sorry ? Is fear in thine heart ? Where I am these are not. Pity not the fallen ! I never knew them. I am not for them. I console not : I hate the consoled an the consoler.
There is a veil : that veil is black. It is the veil of the modest woman; it is the veil of sorrow, and the pall of death . this is none of me. Tear down that Iying spectre of the centuries ! veil not your vices ın virtusus wors : these vices are my service; ye do well, and I will reward you here and hereafter.” (II, 44, 46 - 48, 52)
>>Ja ! Feiert ! Frohlockt ! Da ist kein Bedauern danach. Da ist die Auflösung und ewige Ekstase in den Küssen der Nuit. ... Versagst du ? Bist du traurig ? Ist Furcht in deinem Herzen ? Wo ich bin sind diese nicht. Bemitleide nicht die Gefallenen ! Ich kannte sie nie. Ich bin nicht für sie. Ich tröste nicht. Ich hasse den Getrösteten und den Tröster.
Da ist ein Schleier. Dieser Schleier ist schwarz. Es ist der Schleier der züchtigen Frau. Es ist der Schleier der Trauer und das Leichentuch des Todes. Dies ist nicht von mir. Zerreißt dieses Lügengespenst der Jahrhunderte, verschleiert eure Laster nicht hinter tugendhaften Worten. Diese Laster sind mein Dienst; ihr tuet gut an ihnen, und ich will euch belohnen, hier und hernach. <<
Diese beiden Teile drehen sich um ein Thema, und sie beleuchten verschiedene wichtigte Schwerpunkte, darum muß ich sie hier vollständig angeben. Zunächst fordert das Liber Legis ın Sinne Nietzsches die tatsächliche Umwertung aller Werte. Noch immer betrachtet unsere Gesellschaft Dinge wie Demut, Aufopferung, Bescheidenheit, Willfährigkeit und Unterordnung als große Tugenden. Das Liber Legis entschleiert diese als Illusion. Jeder Mensch verfolgt nur seinen Weg und verwirklicht sich selbst. Daher ist die Verschleierung dieser Bestrebungen hinter alten Tugend - Begriffen ein Betrug an sich selbst und anderen. Es sind die Gesellschaften, in der die Männer ihre Frauen hinter sichtbare oder unsichtbare Schleier verborgen haben, sie sich gefügig zu machen, um dem Ruhm des Ehemannes dienlich zu sein. Dies Verbrechen wird in unserer Gesellschaft allmählich aufgedeckt; aber zahlreiche ähnliche Unterdrückungen sind bei uns und in der Welt noch vorherrschend. Trauer, Selbstverleugnung, Selbstpreisgabe, Demut und Unterwerfung sind keine Tugenden und sind es nie gewesen. Derjenige, welcher so schwach und töricht ist, seinen eigenen Willen und Weg zu verleugnen, wie kann er einem anderen auf seinem Weg helfen ?
Weil aber alles, was ein Mensch wissen und vollenden muß, in jedem selbst liegt, hat es auch keinen Sinn, sich selbst um anderer Willen zurück zu stellen. Diese Forderung kann niemals förderlich und gut sein, wie gut gemeint sie auch scheinen mag. Hadit, der hier spricht, in ein Symbol für das Höhere
49 Selbst in jedem Menschen. Er ıst kein Gott außerhalb, der straft, gebietet oder erwählt. Viele Christen haben ihr eigenes rächendes Gottesbild dadurch verraten, daß sie diese Passagen gegen uns zu zitieren suchten. Hadit ist in jedem, ja er ist der Mensch selbst, mehr als alles, was er zu sein glaubt. Daher ist er, der trauert, fürchtet oder zaudert, sicherlich uneins mit seinem wahren Selbst. Für die von Hadit, d.h. ihrem Selbst, entfernten, den sogenannten "Gefallenen", kann kein Trost und keine äußere Hilfe nützen. Nur sie selbst können sich ihrer wahren Natur erinnern und sich wieder erheben. In keiner Art sich Freude zu verschaffen liegt etwas Böses. Es ist weder sündig, noch unsittlich noch gefährlich. Es muß nur in Übereinstimmung mit dem Wahren Willen sein. Die vieleb sich über die Freude der anderen ärgernden sind meist jene, die selbst unglücklich sind, und keinen gönnen, sich zu feuen. Und wahrhaft heißt sich Freude zu verschaffen, der eigenen Göttlichkeit zu dienen, aber sich zu erniedrigen heißt, diese mit Füßen zu treten. Zugegeben : Jeder Mensch hat das Recht, seine eigene Göttlichkeit aufzugeben, und sich mit Trauer, Demut und Selbstzerstörung zu verschleiern. Aber keiner hat das Recht irgendeinem anderen diese Göttlichkeit, das Recht auf alle Freuden des Welt und des Himmels
-abzusprechen. Heil und Heilund eines jeden Menschen liegen nur in ihm selbst. So laßt uns mit aller "Macht jene zurückweisen, die uns um unserer Freude verachten.
"Strive ever to more ! and if thou art truly mine - and doubt it not, and ıf thou art ever joyous | - and
death is the crown of all !" (II, 72) >>Strebe immer nach mehr ! Und wenn du wirklich mein bist - und bezweifle es nicht, so du immer freudig bist ! - so ist Tod die Krone von allem.<<
Man sieht, daß in kurzen Sätzen oft mehr und tieferes liegt, als in langen Beschreibungen. Für die
meisten dürfte das "Strebe immer nach mehr !" am wichtigsten sein. Es fordert und dazu auf, nicht nur vorwärts zu gehen, sondern auch höher. Wenn wir einmal alle Fesseln, die uns von uns selbst trennen,
erkannt und aufgelöst haben, und uns der Verwirklichung der Freude gewidmet haben, so müssen wir
auch danach trachten, uns höher zu begeben. Denn wenn wir nur dahinleben und einfach nach dem
nächstbesten Lustgewinn suchen, sind wir nicht eine Stufe aufgestiegen, sondern haben nur eın "Verbrechen gegen eine Narrheit eingetauscht. Die Philosophie von Thelema ist kein Hedonismus,
vielmehr ist Hedonismus ein Mittel, ein Ziel unter anderen. Daher müssen wir, wenn wir nicht in der Verweichlichung der Adeligen unter Ludwig XIV. untergehen wollen, uns immer höhere Ziele setzen
und wie ein Krieger immer neue Herausforderungen suchen. Nur dann können wir mit dem neu gewonnenen Genuß auch wachsen.
Die Freude gibt uns Kraft, und neuen Herausforderungen zu stellen; durch diese wachsen wir, und sind
in der Lage uns neuen, verfeinerten Freuden hinzugeben. "Sei nicht tierisch. Verfeinere deine
- Genüsse.” heißt es auch im Liber Legis. Es ist die rechte Mischung aus Kampf, Herausforderung und
Stärkung auf der einen und Genuß, Freude und Verfeinerung auf der anderen Seite, welches die Moral eines Thelemiten umreißt. Wer immer mit uns sein will, sei stets willkommen. Wahre Freuden und Herausforderungen werden durch Teilung nicht geringer sondern mehr. Thelema fordert nicht zu Egoismus auf. Es fordert im Gegenteil die Überwindung und Transzendenz des Ichs mit seinen Beschränkungen und seine Hinwendung zum innersten Selbst, das jenseits der Bewegung äußerer Ereignisse besteht. Wenn jeder so allein in sich selbst verwurzelt ist, ist er erst wirklich in der Lage. mit anderen Menschen Gemeinschaftlichkeit zu bilden. In der Tat erfordert Gemeinschaftlichkeit zuvor die Verankerung jedes einzelnen in sich. Die größte Gefahr für jeder Gemeinschaft sind zum einen jene, die zu wenig in sich gefestigt sind, und wankelmütig jedem Impuls nachgeben, und zum anderen die, die meinen Pläne für anderer Leute Glück machen zu können.
Die immer vorhandene Freude ist keine oberflächliche, grinsende "Licht - Liebe - Lebe” - Philosophie. Diese Art von Freude ist nur wenigen bekannt. Wer sie einmal für ein paar Tage erlangt hat, der spürt
50 sie sozusagen ständig im Hintergrund seines Bewußtseins; und gleichgültig welche Emotionen sich gerade vordergründig zeigen, so bleibt diese innere Freude immer bestehen. Dies zu erreichen erfordert tiefe Einsichten, lange Erfahrung und Hingabe. Und wenn wir so mit innerer Freude fortschreiten, immer mehr verfeinertem Genuß und immer größeren Herausforderungen fortschreiten, was könnte da das Ziel sein, als die Vereinigung mit allem was was, die größte aller Herausforderungen und zugleich der größte aller Ereignisse : auf gewisse Weise der Tod selbst.
"] give unimaginable joys on earth : certainty, not faith, while in life, upon death; peace unutterable, rest, ecstasy; nor do I demand aught in sacrifice." (I, 58)
>> Ich gewähre unvorstellbare Freude auf Erden; Gewißheit, nıcht Glauben; während des Lebens und über den Tod; unaussprechlichen Frieden, Ruhe Ekstase. Und ich erwarte keine Opfer dafür. <<
Hiermit schließt sich der Kreis. Mit den Selbst als einzige Instanz habe ich angefangen, um im wahren Selbst liegt auch das Ziel. Es ist Nuit, die Ergänzung Hadits, die hier spricht. Das verwirklichte Selbst (Hadit) des Menschen erntet alle Freuden des Alls (Nuit), welchem er aufgeht. In der Erkenntnis und der Bewußtwerdung des eigenen Wahren Willen, des Selbstes, liegt alle Freude, Gewißtheit, Rune und Ekstase. Die Sicherheit, die die Erkenntnis des eigenen Selbst als vollkommen, göttlich und erleuchtet gewahrt, ist etwas ganz anderes, wie irgendwelche Verheißungen aus alten Büchern oder von der Kanzel herab. Vom Menschen wird nichts erwartet, kein Opfer, keine Aufgabe, keine Buße. Jeder Mensch muß nur sich selbst erkennen, entkleidet aller auferlegten Verhüllungen.
Das wahrhaftig Üble an der Religion im klassischen Sinne ist, daß sie bestimmte Menschen, nämlich ihre Priesterkaste, zum Verwalter des Spiritualität aller machen. Diese Priester machen sich zu den Beherrschern über Moral, Weisheit, Erkenntnis, Spiritualität und Selbstverwirklichung. Und hier liegt die Befreiung der ganzen Menschheit, welche der Prophet des neuen Äons, der Meister Therion, das Große Tier 666 uns allen gegeben hat, indem er jedem Menschen die volle Verantwortung für sich ihm
allein zugeschrieben hat. Für sein Glück, seine Erkenntnis, seinen Erfolg oder sein Scheitern und vor
allem seine Spiritualität ist nur ein jeder selbst in der Lage zu sorgen. Niemand sonst kann dir dies
verschaffen, außer du selbst.
Kein anderer Mensch, keine Macht, kein Geist und kein Gott können dir dies gewähren oder nehmen. Nur du selbst kannst es dir geben oder verwehren; alles andere ist die große Lüge, die nur geglaubt wird, weil sie so alt ist, und so oft wiederholt wurde. Denn so verkündete To Mega Therion, der Prophet des lieblichen Sterns :
"Es gibt keinen Gott, außer dem Menschen."
In der Absicht, eine kleine Veröffentlichung über das Gesetz von Thelema zu verfassen, ist dies nur dabei herausgekoınmen. Wenn man sich so lange mit Thelema beschäftigt wie icg, so mag es leicht geschehen, daß man den wahren Maßstab dessen, was allgemein verständlich ist, aus den Augen verliert. Andere werden sicher die Sätze des Liber Legis ganz anders bewerten. Viele Spezıalisten werden meine Aussagen sicher zu oberflächlich oder zu allgemein ansehen; aber ich habe es auch weniger für sie geschrieben, sondern eher für jene, die bereit sind, die Wahrheit über unsere
Claudia M Striewe, Gartenstr. 38, 42107 Wuppertal
| 1 Vorstellungen zu erfahren, und um diesen einen guten Einstieg zu gewähren. Und auch, um Interessierten einen nicht zu umfangreichen Überblick zu verschaffen.
Das Liber Al vel Legis gehört sicher zu den wichtigsten wie auch am meisten unterschätzten Büchern der ganzen Menschheitsgeschichte. Wer sich ausfürlicher mit Aleister Crowleys Problemen beschäftigt hat, auch nur die oberflächlichste Bedeutung den Verse zu erkennen, und zugleich sieht, wie umfassend gebildet er war, mag eine Ahnung von der übermenschlichen Intelligenz erhaschen, die
sa ne Minister von Hoor-Par-Kraat, der Verfasser des Buches des Gesetzes, in dieses hinein gele
Diese kleine Abhandlung soll quasi eine Art Katechismus von Thelema sein, und obwohl mancher Thelemit diese Ansichten nicht teilen wird, sage ich guten Gewissens, daß in diesem allgemeinen Rahmen die Vorstellungen des Meister Therion ziemlich gut getroffen sind. Wer weitergehend interessiert St, kann sich im deutschsprachigen Raum mit den offiziellen Vetretern des Argenteum Astrum in Verbindung setzen : ORDO MAGNA SERPENTE
(Kontakt über den Verlag) Und möge jeder das Woit aus dem Liber Legis bedenken, einem jeden Menschen, und sei er noch so kurz da, das Gesetz. weiter zu geben. In diesem Lichte mögen sie verweilen oder nicht.
LARLI
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Ä+tSo=-LOGOl * Logoi, Forum liberaier Weltanschauung für Spirit &Magie mit magischer u. erot. Kontaktbörse, für die anderen Hexen, Heiden, Schamanen, Wiccas, Druiden, Astros, Gnostiker, Gothics, Thelemiten usw. die offenen Austausch suchen ohne Deckmantel der "Normalität", startet vorraussichtliich zum 1.7.00 auf Diskette 3,5” .Schreibt Eure Themen | Vorgekaut
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